Von Edith Zundel

Ich habe gerade mit meiner Nachbarin gesprochen. "Ach", hat sie gesagt, "wie ich Sie beneide, wenn Sie morgens, gut angezogen, die Aktentasche unterm Arm, losfahren, und ich bleibe hier in diesem Tohuwabohu zurück, das meine Familie jeden Morgen zurückläßt, räume auf, koche, bügle – jeden Tag dasselbe. Sie sehen interesante Leute und müssen sich mit ihnen auseinandersetzen. Ich sehe nur meinen Mann, und der ist abends müde, oder er muß noch arbeiten. Früher war ich gebildet, jetzt bin ich nur Hausfrau." Sie war lange berufstätig, Lehrerin; sie liebte ihren Beruf.

Ist dies Klagelied typisch? Fühlen sich Hausfrauen vom "eigentlichen Leben" abgeschnitten, isoliert, ohne Prestige und daher ohne Selbstsicherheit, ohne "eigentlichen Beruf" und daher in einer auf Leistung gerichteten Gesellschaft deplaciert und unglücklich?

Eine Studierende am Sozialpädagogischen Institut in Hamburg fragte siebzig Hausfrauen mit mindestens einem Kind aus vollständigen Familien. Sie hielt sich dabei vorwiegend an evangelische Elternkreise. Die Frauen hatten fast alle vorher einen Beruf ausgeübt; sie waren zum großen Teil Angestellte, einige ungelernte Arbeiterinnen, sechs hatten als Beamtinnen und in freien Berufen gearbeitet. Sie alle haben ihren Beruf spätestens bei der Geburt des ersten Kindes aufgegeben.

Überraschenderweise finden sich nur in zwanzig Fällen Andeutungen, daß sich die Frauen in ihrer häuslichen Situation nicht recht glücklich fühlen. Ob man dieses Ergebnis für bare Münze nehmen kann, bleibt unklar, denn man kann vermuten, daß es in einem betont evangelischen Hause zum guten Ton gehört, das weibliche Lebensglück und -ziel im Dasein als Ehefrau und Mutter zu sehen. Außerdem sind die Fragebogen meist in Anwesenheit der Ehemänner ausgefüllt worden.