Evelyn Lincoln: Zwölf Jahre mit J. F. Kennedy; Lorch-Verlag, Frankfurt, 1966; 372 Seiten, 22,– DM

Dieses Buch, die Erinnerungen der Privatsekretärin von John F. Kennedy, war wohl unvermeidlich. Es ist nicht einmal „schlecht“, ist subjektiv ehrlich, schildert den Präsidenten als Menschen mit all seinen Stärken, ohne die schwächen zu ignorieren, wenn auch aus der notwendigerweise verzerrenden Perspektive persönlicher Devotion, wie sie bei einer guten und jahrelang eingearbeiteten Sekretärin gar nicht anders zu erwarten ist. Das Buch wird wohl auch seine Käufer finden und ist turmhoch dem überlegen, was diese Leser normalerweise zu sich nehmen: der Regenbogenpresse.

Wer allerdings politische Informationen, aufschlußreiche Details und intime Einblicke in die innere Maschinerie der amerikanischen Präsidentschaftspolitik erwartet, der sollte sich der zwar angenehmen, aber nichtssagenden Lektüre nicht unterziehen. Selbst eine Bemerkung wie die, daß Kennedy bei seiner Wahl zum Senator, 1952, sich geschickterweise mit solchen Wahlhelferinnen umgab, die „alle einflußreichen ethnischen Gruppen von Massachusetts“ vertraten, ragt heraus als halbwegs brauchbare Mitteilung. Entsprechend der Zeit ihrer Zusammenarbeit mit Kennedy, aber entgegen unserem Interesse an ihm, nimmt darüber hinaus die Zeit der Präsidentschaft nicht einmal die Hälfte des Buches ein. Aber auch wenn es mehr wäre: mehr geworden wäre es sicher nicht. Nichts gegen Sekretärinnen – aber Bücher schreiben sollten sie nicht –, allenfalls ihr Tagebuch, wie von Mrs. Lincoln ursprünglich auch geplant gewesen, dem späteren Memoirenschreiber oder Historiker zur Verfügung stellen. Ekkehart Krippendorff

Einem Teil unserer heutigen Auflage liegen Prospekte der Firmen: Gothaer Lebensversicherung a. G., 34 Göttingen, Postfach 625, und Editions Rencontre GmbH, 5 Köln, Breite Straße 2–4, bei.