Über dem Hause Hohenzollern schlugen wieder einmal die Schlagzeilen zusammen. Prinz Michael von Preußen, 26 Jahre, Zweitgeborener Seiner Kaiserlichen Hoheit Prinz Louis Ferdinand, hat sich entschlossen, die 23jährige Jutta Jörns zu ehelichen, eine Bürgerliche.

Während der Düsseldorfer „Mittag“ und die „Berliner Zeitung“ („BZ“) den liberal freienden Prinzen kurzerhand enterbten, legte „Bild“ zwei Tage später dem Bräutigam seinen Anteil am hohenzollernschen Erbe wieder in den Schoß. Diese widersprüchlichen Auffassungen von preußischer Kontenance, wie sie aus dem dritten („BZ“) und siebten Stockwerk („Bild“) des Berliner Springer-Hauses in die Öffentlichkeit quollen, rückte der Enkel Kaiser Wilhelms II. bald ins rechte Lot: er speiste mit „Bild“ und Sohn Michael im Journalisten-Klub des Hamburger Verlagshauses, nicht nur so die ungestörte Harmonie der Hohenzollern-Familie demonstrierend, sondern darüber hinaus auch noch die „Bild“-Version der Hochzeitsumstände seines Sohnes billigend.

In der Tat: Prinz Michael, der erste von vier Söhnen des Hohenzollernchefs, der in den Ehestand zu treten gedenkt, wird durch die Heirat mit der bürgerlichen Sekretärin Jutta weder sein Erbteil noch seine monatliche Apanage in Höhe von 500 Mark und nicht einmal die Gunst seines Vaters verlieren. Was er verliert, ist das Anrecht auf den deutschen Kaiserthron innerhalb der Erbfolge des Hauses. Darüber hinaus darf sich das gegenwärtige Fräulein Jutta zwar nach der Trauung Prinzessin Jutta nennen, aber nicht mit „Königliche Hoheit“ anreden lassen.

Prinz Michael indessen, der seit einigen Tagen im Berliner Europacenter als Verkaufsrepräsentant bei der Fluggesellschaft PAA fungiert, wird den Verzicht auf den deutschen Kaiserthron vermutlich ertragen. Auch spricht nichts dafür, daß seine zukünftige Ehefrau daran zerbrechen könnte, von ihrer Umgebung nicht mit Königliche Hoheit angeredet zu werden. Selbst Seine Kaiserliche. Hoheit Prinz Louis Ferdinand von Preußen wird über den bourgeoisen Alleingang seines Sohnes hinwegkommen – zunial da noch drei weitere Söhne und zwei Töchter hier einiges wettmachen können: die Söhne Friedrich Wilhelm (27), Louis Ferdinand, „Lulu“ (21), Christian (19) sowie die beiden Töchter Kira (23) und Xenia (16).

Während Kira, von „Bild“ befragt, wie sie über eine unstandesgemäße Heirat denke, erklärte: „Wenn ich ihn ganz toll liebe und Achtung vor ihm habe, würde ich auch einen Bürgerlichen heiraten“, hat Prinz Friedrich Wilhelm gerade eine bürgerliche Liaison aufgegeben. Wie man hört, auf Wunsch des Papas.

Die letzten Zweifel am häuslichen Preußenfrieden wischte der Kaiserenkel am Montag vom Tisch. Prinz Louis Ferdinand und Prinz Michael hatten den Prinzen Sou-Chong zum Abendessen gebeten, jene Operettenfigur, die zur Zeit im Theater des Westens in Berlin von Giuseppe di Stefano verkörpert wird – im Land des Lächelns... H.-J. U.