Als einen „vollen Erfolg für Deutschland und Europa“ buchte Ludwig Erhard seine Reise nach Oslo und Stockholm. Schweden und Norweger waren von des Kanzlers Entschlossenheit angetan den Graben zwischen EWG und EFTA zuzuschütten und eine große europäische Freihandelszone zu schaffen. Gleichsam nebenher – auf Pressekonferenzen und in Tischreden – sagte Erhard dem Plan einer politischen Integration Westeuropas vorläufig Valet. Einen noch engeren politischen Zusammenschluß der EWG hält er anscheinend für unerwünscht, weil dadurch die Neutralen – Schweden, Schweiz, Österreich – von einem Zusammengehen mit der EWG abgeschreckt würden,

Sofort hub in Bonn ein Rätselraten an, ob diese Äußerungen nur die Gastgeber versöhnlich stimmen sollten oder ob Erhard seinen außenpolitischen Kurs gewechselt habe. Denn gerade Erhard war es gewesen, der nach seiner Amtsübernahme im Herbst 1963 in den Hauptstädten der fünf EWG-Partnerländer persönlich für die alte Idee einer politischen Union geworben hatte. An de Gaulles starrer Haltung und dem Mißtrauen der Kleinen gegen die französischen Absichten scheiterten diese Wiederbelebungsversuche.

Ende 1964 versicherte Erhard auf die Frage eines Interviewers, ob er reale Möglichkeiten sehe, der politischen Integration in absehbarer Zeit näherzukommen, mit einem uneingeschränkten „Ja“. Einige Wochen später war er etwas vorsichtiger geworden: „Und wenn nicht alles täuscht – aber ich möchte hier keine Versprechungen leisten, die sich vielleicht nicht voll erfüllen lassen –, dann winkt heute doch eine reale Chance.“

Im Mai 1965 machte er sich wieder Mut, obwohl die Schwierigkeiten eher größer als kleiner geworden waren: „Jetzt gilt es, das begonnene Werk zu vollenden.“ In der Regierungserklärung nach der Wiederwahl im Herbst 1965 ließ er dann alles offen: „Unser Ziel bleibt unverändert.“ Auf diese Formel, die nichts über den Terminplan für eine politische Union aussagt, einigte sich auch das Präsidium der CDU, nachdem Erhard über seine Reise nach Skandinavien berichtet hatte.