Europameisterschaften der Leichtathleten

in Budapest

Von Adolf Metzner

Die ungarische Aufschrift: Athletikai Europa Bajnokság, darüber die stilisierte Figur eines Hammerwerfers in Franz-Marc-Blau auf schwarzem Grund mit einem Wurfkreis in den rot-weiß-grünen Landesfarben – das war das Plakat der achten Leichtathletik-Europameisterschaften, die vom 30. August bis 4. September im Budapester Nepstadion stattfanden. 1962 hatte man sich in Belgrad getroffen. Nach einem fast neutralen Staat war diesmal ein richtiges Ostblockland an der Reihe.

Vorher hatte es mit Turin (1934), Paris (1938), Oslo (1946), Brüssel (1950), Bern (1954) und Stockholm (1958) nur westeuropäische Veranstalter gegeben. In Zukunft soll der vierjährige Turnus durch einen zweijährigen ersetzt werden. Jeweils ein Jahr vor und ein Jahr nach den Olympischen Spielen werden dann die Europameisterschaften durchgeführt. 1969, ein Jahr nach Mexiko, ist Athen der Ausrichter, das jetzt schon eine Werbeschrift verteilte, worin versprochen wird, den IX. Meisterschaften eine „griechische Färbung“ (hoffentlich nicht mit Jungfrauen in weißen, wallenden Gewändern) zu geben.

Dem Ostblock wurde auf sein Drängen hin auch prompt vom Internationalen Leichtathletik-Verband I.A.A.F. eine politische Konzession gemacht. Entgegen dem New Yorker Beschluß, für Deutschland (Bundesrepublik) und Ostdeutschland (DDR) bei der Siegerzeremonie die schwarz-rot-goldene Fahne mit fünf weißen olympischen Ringen zu hissen und Schiller-Beethovens „Freude schöner Götterfunke“ zu spielen, wurde diesmal zur Becherhymne die „Spalterflagge“ am Siegesmast hochgezogen, und dies gleich achtmal.

Dafür erklang aber auch wieder das Deutschlandlied. Im rein musikalischen Wettkampf gewann Joseph Haydn mit Längen, und auch Hoffmann von Fallersleben, dessen Stärke ja unsere schönsten Kinderlieder waren, dürfte Herrn Becher noch nach Punkten geschlagen haben. Aber sportlich ging die Partie mit 8 : 2 klar an die Zone.