In die starke Markstellung der Günther Wagner Pelikan-Werke, Hannover, ist bislang keine in- oder ausländische Konkurrenz eingebrochen. Der amerikanische Bürobedarfskonzern Columbia Ribbon & Corbon Manufacturing Co. hatte es vor einigen Jahren versucht, als er in Hannover eine Tochtergesellschaft, die Columbia Werk Oso Gesellschaft für Bürobedarf GmbH, ins Leben rief und dort produzieren ließ, doch endete dieser Vorstoß damit, daß die Pelikan-Werke 1964 die Anlagen übernahmen und dorthin ihre Radiergummi-Produktion verlegten.

Die Stärke der fast 130 Jahre alten Pelikan-Werke ruht auf seinem umfangreichen Sortiment im Büro- und Zeichenbedarf wie auf seinen festgefügten Verkaufswegen. Sie gehen fast ausschließlich über den Fachhandel, daneben wird eine enge Verbindung zur Schule gepflegt, die eine wichtige Säule des Geschäfts darstellt. Das erlaubt eine gesunde Preispolitik. Dennoch sind die Preise in den letzten drei Jahren nur um etwa 3 Prozent angehoben worden. Das hat natürlich nicht ausgereicht, um die alte Rendite aufrechtzuerhalten. „Aber wir sind dennoch mit unserer Ertragsentwicklung zufrieden“, meinte Geschäftsführer Hans-Joachim Götz. Das ist schon ein Wort, wenn man gleichzeitig hört, daß sich die Summe der Kosten für Löhne und Gehälter seit 1959 fast verdoppelt hat, während in der gleichen Zeit die Zahl der Beschäftigten nur um knapp 10 Prozent gestiegen ist. Es haben sich also seit 1959 die Lohn- und Gehaltskosten je Mitarbeiter um 80 Prozent erhöht.

In den letzten Jahren hat sich die traditionell „vorsichtige“ Finanzpolitik des Hauses bezahlt gemacht. Obwohl die Pelikan-Werke noch immer ein reines Familienunternehmen sind, gibt es keine Finanzsorgen. Sämtliche Investitionen (in den letzten 3 Jahren waren es für 26,3 Millionen Mark) wurden mit eigenen Mitteln finanziert und daran wird sich auch in den nächsten Jahren nichts ändern. Zu diesen Investitionen kommt noch der „Ausbau des Firmenverbandes“, wie man in Hannover sagt. Dazu zählt der Erwerb der Greif-Werke GmbH, Goslar, (Hersteller von chemischem Bürobedarf, 380 Beschäftigte, Umsatz 1965/66: 10,5 Millionen), Roto-Werke GmbH, Königslutter, (Hersteller von Bürodruckern, 540 Beschäftigte, Umsatz 1965: 13 Millionen), Hans Rebhan, Nürnberg, (Hersteller Von Plakat- und Schulfarben, 100 Beschäftigte), die schon erwähnte Übernahme der Oso Gesellschaft für Bürobedarf, und schließlich auch die Gründung der Copygraph GmbH, Hannover, zusammen mit der Nashua Corporation, Nashua, New Hampshire (USA).

Mit der Copygraph will Günther Wagner einen Vorstoß auf dem Gebiet der elektrostatischen Kopiergeräte machen, die sich auch auf dem deutschen Markt immer mehr ausbreiten. Man hat sich der Hilfe der auf diesem Felde technisch überlegenen Amerikaner versichert und verkauft zur Zeit ein Tischkopiergerät. In absehbarer Zeit soll auch die Produktion aufgenommen werden. Die Tatsache, daß Günther Wagner mit 55 Prozent am Stammkapital der Copygraph GmbH (50 000 Mark) beteiligt ist und die Amerikaner nur mit 45 Prozent, zeigt deutlich, daß die Hannoveraner die Zügel nicht aus der Hand geben wollen. kw