Kai-Uwe von Hassel hat die Führungskrise der Bundeswehr vorerst heil überstanden. Am Dienstag sprach das Präsidium der CDU dem Verteidigungsminister einmütig sein Vertrauen aus. Im Verteidigungsausschuß allerdings, vor dem die entlassenen Generale Trettner und Panitzki ausgesagt hatten, waren die Abgeordneten aller Parteien „bedrückt und bestürzt“ über das Ausmaß der Vertrauenskrise zwischen Soldaten und Beamten.

Der Minister und sein Staatssekretär konnten erst während der folgenden Sitzungen den schlechten Eindruck etwas korrigieren, den die vielen Widersprüche in den Darstellungen über den Hintergund der Krise bei den Parlamentariern hinterlassen hatte.

Umstritten war vor allem, ob Generalinspekteur Trettner wirklich, wie der Minister behauptete, auf den Posten eines militärischen Staatssekretärs aus gewesen sei, und ob das Ministerium, wie Panitzki behauptete, seinen Starfighter-Bericht „vergumbelt“ habe.

Erstens: Trettner erklärte: „Seit Dezember 1963 habe ich nie einen militärischen Staatssekretär gefordert, sondern immer nur die Stellung als dritter Mann für den Generalinspekteur in Anspruch genommen.“ Am Montag mußte er sich jedoch von Staatssekretär Gumbel berichtigen lassen. Tatsächlich hatte der General vorgeschlagen, dem Verteidigungsminister solle ein Staatsminister nachgeordnet werden, der dann von drei gleichberechtigten Staatssekretären vertreten werde. Einer von ihnen sollte der Generalinspekteur sein. Staatsminister und Minister sollten zusammen die Spitze des Ministeriums bilden.

Zweitens: General Panitzki sagte aus, sein Entwurf für einen Starfighter-Bericht an den Verteidigungsausschuß sei nicht nur im Umfang, sondern auch in der Sache von Staatssekretär Gumbel auf ein Viertel zusammengestrichen worden. Der Staatssekretär wies dem Ausschuß jedoch an Hand der Vorentwürfe nach, daß der Bericht nur um ein Viertel gekürzt worden sei. Herausgenommen wurden alle Teile, die bereits bekannt waren, sowie die Ausführungen über die vom Minister vorgeschlagenen Sonderarbeitsgruppen. Panitzki konterte jedoch: Es habe noch einen weiteren, zusammengestrichenen Vorentwurf gegeben.

Unbestritten war der Tatbestand, daß sich die Militärs durch die bisherige Form der Organisation benachteiligt fühlten. Trettner: „In der ersten Aufstellungsphase der Bundeswehr herrschte bei den maßgeblichen Persönlichkeiten – zugegebenermaßen verständlicherweise – das Mißtrauen gegenüber den Soldaten vor. Die neu eingeführte Abtrennung der Verwaltung vom Kommandostrang wurde angeblich zur Erleichterung, in Wirklichkeit zur Kontrolle der Soldaten vorgenommen. So stand am Anfang eine große Unehrlichkeit. Infolge der Überwachungsfunktion, die der Verwaltung zuerkannt wurde, entstand sehr schnell eine Mentalität, die das Gegenteil von dem war, was von einer helfenden Verwaltung erwartet werden sollte.“

Bundesverteidigungsminister von Hassel entgegnete, die Gliederung: hier Soldaten, dort Verwaltung, sei durch das Grundgesetz gegeben.