DIE ZEIT

Familie: Als Hausfrau unglücklich

© Hulton Archive/GettyImages

Ich habe mit meiner Nachbarin gesprochen. "Ach", hat sie gesagt, "wie ich Sie beneide, wenn Sie morgens, gut angezogen, die Aktentasche unterm Arm, losfahren."

Große Perspektiven

Jahrelang endete für uns die Welt am Eisernen Vorhang. Alles was an politischer Phantasie aufgewendet wurde, galt dem Westen: der Aussöhnung mit Frankreich, der wirtschaftlichen Verflechtung in der EWG, der Integration in der NATO.

Weimars lange Schatten

Den Höhepunkt der Führungskrise in der Bundeswehr, die auch die persönliche Krise Hassels ist, hat der Verteidigungsminister überstanden – aus vielen Wunden blutend zwar, doch ihn retteten die Loyalität und der Wille des Kanzlers, Hassel nicht der Opposition und schon gar nicht den Generalsprotestanten zu opfern.

Immer nur sporadisch?

Was hat der Bundeskanzler in Skandinavien zum Thema Europa wirklich gesagt? Es läßt sich da nur Tucholsky zitieren: „Sie wissen et nich.

Ulbricht drängt im Kreml

Die Ursache der fast hysterischen Versteifung und Abkapselung Ostberlins ist nach außen wenig sichtbar: Die DDR steckt tiefer in politischen und vor allem wirtschaftlichen Nöten, als es den meisten ihrer Bewohner bewußt ist.

Mord ist keine Politik

Eine fanatische Mordtat müsse man bedauern – in jedem Fall. Das hat Martin Luther King zum Tode Verwoerds gesagt, zum Tode eines Mannes, den er verachtete und dessen Politik er verwarf.

ZEITSPIEGEL

Der demokratische Aspirant auf den New Yorker Gouverneursposten O’Connor hat Senator Robert Kennedy gebeten, ihm für den Wahlkampf gegen den amtierenden Gouverneur Rockefeller nicht nur seinen Schwager Stephen Smith, sondern auch die ganze gutgeölte Kennedysche Wahlmaschinerie zur Verfügung zu stellen.

Der musische General

In der schrillen Symphonie der Kritik, die dem Verteidigungsminister entgegenschallt, gibt es auch melodiöse Stimmen. Sie finden sich zu harmonischen Akkorden, sobald das "Seitenthema" auftaucht: Neubesetzung jener hohen militärischen Führungsposten, die von den Generalen Trettner und Panitzki geräumt wurden.

Kann die FDP überleben?

Gedanken über die Zukunft des Liberalismus in Deutschland /Von Hildegard Hamm-Brücher

Wolf gang Ebert:: Schalter-Krieg

Seit einer gewissen Sendung von den Leichtathletik-Europameisterschaften in Budapest weiß ich es besser. Wenn man mir mal wieder einen Bild- und Tonausfall vorgaukeln will, ahne ich: Dahinter steckt ein Sportereignis, bei dem es das Unglück wollte, daß ein DDR-Sportler, mit viel Glück, den Stabhochsprung gewann, worauf die Hymne „Auferstanden aus Ruinen“ erklingen müßte – würde Programmdirektor Hartmann nicht blitzschnell schalten – und zwar ab, um uns vor dem Schlimmsten zu bewahren.

Kambodscha ist kein Modell

Die kambodschanische Hauptstadt Pnom Penh ist ein Labsal, verglichen mit der Nachbarkapitale Saigon. Die kurze Reise zwischen beiden Städten: 35 Flugminuten, bietet einen Unterschied im Lebensklima wie in den fünfziger Jahren etwa die Reise zwischen Wien und Budapest.

Rot soll Glück bringen

Die Regierung hat in Saigon Bürgersteige und Wände über und über mit roter Farbe beschmieren lassen – Rot soll Glück bringen.

Ohnmächtiger U Thant

Es klang wie ein düsterer Begleitakkord zu einem Trommelwirbel. Am 3. September hatte U Thant bekanntgegeben, er wolle nicht ein zweites Mal für den Posten des UN-Generalsekretärs kandidieren.

Kanzlersturz oder Ministerschub?

Wie immer über Hassels Ministeramt entschieden werden mag, durch eine Auswechselung des Bundesverteidigungsministers wäre die latente Kabinettskrise noch nicht behoben.

Die Organisation des Verteidigungsministeriums

Für die Organisation des Verteidigungsministeriums gibt es zwei Entwürfe. Einer stammt vom Bundesverteidigungsminister, er stützt sich auf die inzwischen im Ministerium eingeführte Gliederung und Kompetenzverteilung.

Maos Torschlußpanik

In China wütet noch immer die Rote Garde. Das Verhältnis zwischen Moskau und Peking ist gespannt wie noch nie. Die „große proletarische Kulturrevolution“ isoliert das Regime zusehends.

Uncle Sam sucht Abstand

Die vom politischen Ausschuß der demokratischen Fraktion im US-Senat gutgeheißene Entschließung für eine „beträchtliche Verminderung der ständig in Europa stationierten US-Streitkräfte“ stellt in der amerikanischen Europapolitik einen Einschnitt von geschichtlicher Tragweite dar.

Schwere Zeiten für Ian Smith

Der Tod seines Freundes Verwoerd war für den rhodesischen Ministerpräsidenten Ian Smith doppelt spürbar: Das Attentat von Kapstadt verhärtete die Haltung seiner afro-asiatischen Gegner auf der Londoner Commonwealth-Konferenz.

Abzug nach Westen?

In einigen Wochen wird vielleicht der amerikanische Senat, trotz Mißbilligung durch das Weiße Haus, die Regierung auffordern, einen beträchtlichen Teil ihrer Streitkräfte aus Europa zurückzuziehen.

Nachfolger für U Thant gesucht

Im UN-Hochhaus hält man nach einem Nachfolger für Generalsekretär U Thant Ausschau, der aus Protest gegen das Verhalten der Großmächte im Vietnam-Konflikt nicht wieder kandidieren will.

De Gaulle verschärft die Bedingungen

Nguyen Tuong, der Soncerbevollmächtigte Nordvietnams in Kambodscha, überbrachte dem französischen Staatspräsidenten de Gaulle vorige Woche eine Botschaft Ho Tschi Minhs.

Von ZEIT zu ZEIT

Bundeswirtschaftsminister Kurt Schmücker wurde vom rumänischen Parteichef Nicolas Ceausescuempfangen, unterzeichnete in Bukarest ein Protokoll über die Ausweitung des Handels zwischen der Bundesrepublik und Rumänien und lud Außenminister Manescu zu einem Besuch nach Bonn ein.

Hassel hält sich im Sattel

Kai-Uwe von Hassel hat die Führungskrise der Bundeswehr vorerst heil überstanden. Am Dienstag sprach das Präsidium der CDU dem Verteidigungsminister einmütig sein Vertrauen aus.

Europa – halbe Kraft voraus

Als einen „vollen Erfolg für Deutschland und Europa“ buchte Ludwig Erhard seine Reise nach Oslo und Stockholm. Schweden und Norweger waren von des Kanzlers Entschlossenheit angetan den Graben zwischen EWG und EFTA zuzuschütten und eine große europäische Freihandelszone zu schaffen.

Namen der Woche

Kaiser Halle Selassie will das äthiopische Tuppenkontingent aus Südkorea zurückziehen. Angeblich wurde er von anderen afrikanischen Staaten unter Druck gesetzt, nachdem Südkorea soeben eine zweite Division nach Südvietnam entsandt hat.

Dalams Konkubinen

Jusuf Muda Dalam, dem 51 Jahre alten ehemaligen Bankminister Präsident Sukarnos, wurde vor dem Militärgericht von Djakarta ein umfangreiches Sündenregister vorgehalten: Illegale Einfuhr von 1500 Gewehren und Pistolen aus der Tschechoslowakei, Unterschlagung von Staatsgeldern, Verletzung der religiösen Vorschriften (er hatte Tisch und Bett mit sechs Frauen geteilt, nicht zu reden von seinen 25 Konkubinen, von denen einige mit neuen Autos und Häusern belohnt wurden).

Fall Zimmermann?

Fritz Zimmermann, CSU-MdB und Schatzmeister seiner Partei, wird aus den eigenen Reihen unter Beschuß genommen. Die „Passauer Neue Presse“ des glücklosen „Fibag“-Aktionärs Kapfinger verübelt ihm – dem Vorsitzenden des Verteidigungsausschusses –, mit Bundeswehrbauten Geschäfte gemacht zu haben.

Indien ist Bollwerk gegen China

Das Vakuum der Macht, nicht China ist die große Gefahr in Asien. Man wird mir entgegenhalten: ohne chinesische Expansion würde es in Asien keine Krise geben; ohne chinesische Unterstützung hätte Nordvietnam längst eingelenkt; ohne chinesischen Druck auf die Himalaja-Grenze wäre Indien wirtschaftlich bereits viel weiter.

Ein Mord und keine Leiche

Skandale gehören zu den normalen Betriebsunfällen jeder Demokratie – dann und wann jedenfalls. Doch die Ben-Barka-Affäre hat solche Dimensionen, daß Frankreich nicht gleichgültig über sie hinweggehen kann.

Blut, Schweiß – und Lohnstopp

Es wäre für den britischen Premierminister leichter gewesen, hätte er wenigstens mit ein paar Konzessionen nach Blackpool reisen können.

„Alle sollen reich werden!“

Stefan Kisielewski, der seit der Unterzeichnung des Protestschreibens der 34 Schriftsteller im März 1964 in Ungnade gefallen war, schreibt in der in Krakau erscheinenden katholischen Zeitschrift Tygodnik Powszechny unter dem Titel „Was wünsche ich meinem Volk?“: „Wenn mich jemand fragt, was ich dem Volk wünsche, antworte ich: Ich wünsche ihm, es möge aufhören zu existieren.

Nicht Dehler hat schuld

Als der Verteidigungsausschuß am vergangenen Donnerstag – keineswegs einstimmig – beschloß, die Berichte des Verteidigungsministers und der beiden verabschiedeten Inspekteure zu veröffentlichen, überschritt er seine Kompetenzen.

Bekenntnisse genügen nicht

Kürzlich hat die ZEIT die Rede abgedruckt, die Bundestagspräsident Eugen Gerstenmaier auf dem jüdischen Weltkongreß in Brüssel gehalten hat.

Die verbotene Hochzeitsnacht

Es war im Wonnemonat Mai des Jahres 1965. Da bestellten zwei Verliebte beim Standesamt Bremen-Mitte das Aufgebot. Doch bis heute sind die beiden noch kein Ehepaar.

Schüsse in Stuttgart

Ein paar Löcher in der Wand eines Stuttgarter Kellerrestaurants markieren den Platz, an dem der Jugoslawe Sava Milovanovic in der vergangenen Woche nach neun Schüssen aus der Pistole seines Landmannes Franjo Goreta zusammengebrochen ist.

Erst nach Jahrhunderten...

In Konnersreuth, einer kleinen bayerischen Gemeinde, nahe der tschechischen Grenze, lebte bis vor vier Jahren Therese Neumann, auch „Therese von Konnersreuth“ genannt.

Wenn es Nacht wird in Bonn...

Im Bundestag, dessen Mitglied er ist, gilt er als einer der korrektesten Männer. Er hat einen tadellosen Leumund und gehört zur stärksten Fraktion.

Rund um St. Pauli: Für Damen

Vor der Tür stand eine Zeitlang ein weiblicher Portier, der wie ein Mann aussah; jetzt steht dort ein männlicher Portier, der aber nicht wie ein Portier aussieht.

Keine Reise wert?

Ahlen in Westfalen ist eine der fünf sogenannten „Kontakt-Städte“ des Westberliner Bezirks Schöneberg. Die fünfjährige Verbundenheit zwischen Berlinern und Westfalen trug bereits Früchte: Vor vier Jahren, anläßlich der ersten „Ahlener Woche“, gab es eine Berliner Photoausstellung zu sehen; seit einem Jahr hat Ahlen einen „Berliner Park“, den ein kunstvoller Berliner Bär ziert.

Artistik ohne Kinkerlitzchen

Der Moskauer Staatszirkus begann letzte Woche in Köln seine Deutschland-Tournee. Und wenn das Gastspiel auf die Ebene eines inoffiziellen Kulturaustausches hinaufgepäppelt worden war, mit diplomatischen Ehrengästen, zwei Bundesministern und dem sowjetischen Botschafter bei der Premiere: auch dieser Zirkus, als Nonplusultra artistisch akrobatischer Finessen gepriesen, blieb ein oller, ordinärer Zirkus.

Student sein in Deutschland

Wieder einmal sah sich die alte Regel bestätigt, daß Außenseiter häufig schärfer als Fachleute urteilen. So viele Berichte über Studenten und Professoren, über Probleme der Universitäten und Fragen der Hochschulreform es bisher auch gab, so erlauchte teams von gelehrten Beratern man aufbot – kein Report hatte die Klarheit und Prägnanz der von Thilo Koch durchgeführten Analyse Student sein in Deutschland.

Wer Frankreich regiert

Im ersten Fernsehprogramm war am Sonntag eine ausgezeichnete Sendung von Max Rehbein über jene Gesellschaft zu sehen, die man auch in Frankreich die „gute“ nennt.

Ophelia am Landwehrkanal

Als aber das Wasser Monate später, es war Frühling geworden, den Leichnam, ihn ausspeiend, preisgab, erkannten die Freunde sie nicht, denn ihre Augen waren zu Höhlen geworden, ihre Wangen glichen riesigen Dellen, der Mund wuchs in die Nase hinein, drei Zähne standen wie Spieße hervor, und sie war schwarz und nackt.

Kein Lied mehr von der Glocke

Die Klassiker seien „im Krieg gestorben. Sie gehören unter unsere Kriegsopfer. Wenn es wahr ist, daß Soldaten, die in den Krieg zogen, den ‚Faust‘ im Tornister hatten – die aus dem Krieg zurückkehrten, hatten ihn nicht mehr.

Muß ein Lehrer Christ sein?

Auf die „Gretchenfrage 1966“ gibt es in der Bundesrepublik für Lehrer an staatlichen Bekenntnisschulen im allgemeinen und an bayerischen im besonderen keinerlei faustische Antwort.

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