Von Rudolf Walter Leonhard

Die alte Aufsatzfrage "Was hat der Autor gewollt – und hat er es erreicht?" ist ebenso töricht wie einleuchtend.

Einleuchtend, da es ja wirklich ein Maßstab für künstlerisches Gelingen wäre, ob und inwieweit Gewolltes erreicht wurde. Töricht, da man dabei ohne Unterstellungen nicht auskommt.

Wollte Goethe im "Faust" zeigen, was der Mensch vermag, wenn er nur immer strebend sich bemüht? Dann müßten wir das Stück, wie einst schon Th. Vischer, für arg mißlungen halten. Wollte Gottfried Keller im "Grünen Heinrich" ein Bildungsmodell entwerfen? Wollte Kafka im "Schloß" die ausweglose Situation des einzelnen in einer verwalteten Welt demonstrieren?

Und was wollte Martin Walser?

Die Frage scheint, an einen Lebenden gerichtet, eher sinnvoll. Von ihm wäre ja authentische Antwort zu erwarten.

Doch steht zu fürchten, daß Walser (Martin) heute nichts Aufschlußreicheres dazu sagen könnte als ehedem Walser (Robert) – eine geistige, nicht eine genealogisch nachweisbare Verwandtschaft –, der (in "Festzugsprosa aus der Bieler und Berner Zeit") darum bat: "... den lebenden Walser wolle man versuchen zu nehmen, wie er sich gibt."