Eine fanatische Mordtat müsse man bedauern – in jedem Fall. Das hat Martin Luther King zum Tode Verwoerds gesagt, zum Tode eines Mannes, den er verachtete und dessen Politik er verwarf. Anders klangen die Bekundungen mancher afrikanischen Politiker, in denen sogar von „großer Freude“ die Rede war.

Auch die ärgsten Gegner des südafrikanischen Ministerpräsidenten haben keinen Anlaß zur Freude. Ein politischer Mord löst keine Probleme. Er schafft Verwirrung, und er steigert den Haß. Sorgen sind am Platze, denkt man an die Zukunft Südafrikas.

Als Nachfolger für den ermordeten Ministerpräsidenten werden drei Politiker genannt. Zwei davon, Finanzminister Doenges (der jetzt die Amtsgeschäfte des Regierungschefs führt) und Transportminister Ben Schoeman, sind ältere Herren ohne scharfes politisches Profil. Sie wären wohl nicht stark genug, um den Kurs zu andern – schon gar nicht in Richtung auf eine Liberalisierung. Der dritte aber, Justizminister Vorster, würde die Politik Verwoerds gleichfalls fortführen – aber wahrscheinlich mit größerer Schärfe und ohne jeden Anflug von Konzilianz.

Verwoerd hat in letzter Zeit – freilich mit noch nicht sehr tauglichen Mitteln – versucht, Südafrika aus der außenpolitischen Isolierung wieder herauszuführen, indem er Fühler ausstreckte zu den afrikanischen Nachbarstaaten. Es bleibt fraglich, ob sein Nachfolger dies ebenfalls könnte – oder auch nur wollte. H. G.