Die Ermordung des südafrikanischen Ministerpräsidenten Verwoerd traf die Republik mitten in einer für sie kritischen außenpolitischen Lage. In zwei Wochen beginnt die UN-Vollversammlung, in der die Vertreter der „Dritten Welt“ gegen die von Verwoerd betriebene Politik der Rassentrennung Sturm laufen wollen.

In Johannisburg gingen seit Wochen Gerüchte um, Südafrika werde aus den Vereinten Nationen austreten, falls die UN die Entscheidung des Internationalen Gerichtshofes über den Status von Südwestafrika anfechten sollte. (Die ehemalige deutsche Kolonie, seit 1918 unter dem Mandat Südafrikas, hatte kürzlich den internationalen Rechtsschutz verloren, so daß Verwoerd auch dort die Politik der Apartheid forcieren und Eingeborenenreservate anlegen konnte.)

Viele afro-asiatische Länder forderten seit Jahren einen weltweiten Boykott Südafrikas. Ihr Drängen wird jetzt noch stürmischer werden, da sich das Regime der weißen Rebellen in Rhodesien nur dank der Hilfe des Regiires Verwoerd am Leben halten kann.

Verwoerd hatte sich durch nichts von seiner Politik abbringen lassen. 1960 wurde er bereits von einem weißen Farmer niedergeschossen, kam jedoch mit einigen Verletzungen davon. Ein Jahr später führte er sein Land sogar aus dem Commonwealth heraus, um der Verurteilung durch die anderen Mitgliedstaaten zu entgehen. Gegner seines Regimes ließ er unerbittlich zu Hunderten (manche sagen: Tausenden) in die Gefängnisse werfen.

Der Premierminister, eh gebürtiger Holländer, wurde nicht nur von der liberalen Opposition, sondern auch von radikalen Rassenfanatikern angefeindet, denen es schon zu weit ging, daß er in den autonomen „Bantustans“ den Negern die Selbstverwaltung zugestanden hatte. Bei der Wahl Ende März errang seine Nationale Partei jedoch einen triumphalen Sieg.