Was die Bundeswehr jetzt braucht: Ideen und Unvorenigenommenheit

Von Kurt Becker

Den Höhepunkt der Führungskrise in der Bundeswehr, die auch die persönliche Krise Hassels ist, hat der Verteidigungsminister überstanden – aus vielen Wunden blutend zwar, doch ihn retteten die Loyalität und der Wille des Kanzlers, Hassel nicht der Opposition und schon gar nicht den Generalsprotestanten zu opfern. Über sein Amt, über seine Eignung und seine fortune wird – wenn überhaupt – erst im Rahmen einer Reform oder wenigstens einer Umbildung des Kabinetts endgültig entschieden.

Das Scherbengericht im Verteidigungsausschuß hat auch in der CDU einen leichten Stimmungsumschwung zugunsten des Ministers eingeleitet. Im Ausschuß haben zwar unauflösliche Widersprüche und halbe Wahrheiten das Bild von der verworrenen Führung im Verteidigungsministerium weiter verdüstert; nur ein einziger Sachverhalt konnte aufgehellt werden. Aber auf der anderen Seite vermochten die ausgeschiedenen Generäle Trettner und Panitzki nichts vorzubringen, was den Minister oder Staatssekretär auf unerwartete Weise belastet hätte.

Beide Generäle hatten nicht viel Pulver zu verschießen. Sie standen schließlich selbst auf schwankendem Boden und mußten einige Peinlichkeiten ertragen. Trettner vor allem, weil ihn das eigene Gedächtnis völlig verlassen hatte: Er war zum Widerruf seiner Behauptung gezwungen, daß er niemals die Gleichstellung des Generalinspekteurs mit dem zivilen Staatssekretär gefordert habe. Der Irrtum in einer so bedeutenden Frage, die ja den wahren Hintergrund seines Rücktritts bildet, machte den General als „Kronzeuge“ gegen Hassel untauglich. Kaum anders erging es dem früheren Chef der Luftwaffe. Panitzkis Führungskunst bleibt weiterhin einem herben Urteil unterworfen. Der Bewältigung der Starfighter-Misere war er nicht gewachsen.

Lautloser Machtkampf

Damit sind der Minister und sein Staatssekretär freilich keineswegs salviert. Im Zusammenhang mit dem Starfighter und dem Gewerkschaftserlaß haben Vorwürfe und Gegenvorwürfe einen niederschmetternden Eindruck hinterlassen: Ein Dschungel der Bürokratie, tiefgreifende sachliche Gegensätze und zerstörtes Vertrauen zwischen politischer und militärischer Führung bestimmen das Klima im Verteidigungsministerium. Der Minister bleibt belastet. Für diesen inneren Zustand und für die Arbeitsunfähigkeit des Verteidigungsressorts trägt Hassel die Verantwortung.