Die Winzer in der Bundesrepublik sind beunruhigt. Zwar gewährt ihnen die EWG weiterhin eine länger dauernde Schonfrist als allen anderen landwirtschaftlichen Produzenten. Sie sehen sich aber auf dem Markt zwei Riesen gegenüber – Frankreich und Italien –, die zusammen ein Vielfaches dessen erzeugen, was an Wein in der Bundesrepublik wächst. Dieser Wein soll nach den Vorstellungen der italienischen und französischen Weinbauern möglichst ungehindert in die Bundesrepublik fließen.

Diesem verständlichen Wunsch stehen die deutschen Winzer mißtrauisch gegenüber. Schließlich, so argumentieren sie, sollten die beiden anderen Weinbauländer erst einmal die Grenzen untereinander öffnen, bevor sie die Bundesrepublik mit ihren billigen Konsumweinen zu überschwemmen gedächten. Mit diesem Argument wurde seit Jahren eine gemeinsame Marktordnung für Wein verhindert.

Nunmehr versucht die EWG-Kommission, den Weg zum Wein auf einem anderen Pfad zu öffnen. In aller Stille erarbeitet sie ein Papier, das als „Weingesetz der EWG“ bezeichnet werden müßte, würde es vom Ministerrat gebilligt. Dieses Papier trägt zweifellos südliche Züge. Als Maß der Wein-Qualität soll der Alkoholgehalt gelten. Süße Weine dürfen gesäuert, saure dagegen nicht gesüßt werden. Daß auf diesem Weg der Verbraucher in schnöder Offenheit erfährt, was alles am Wein manipuliert wird, hat die Kommission offenbar nicht bedacht. Mit einem aus allen Regionen der EWG zusammengemischten „Verschnitt“ werden dem edlen Saft der Traube jedenfalls keine neuen Freunde gewonnen werden. j.e.