FÜR jede Beschäftigung mit Filmtheorie im allgemeinen und dem sowjetischen Film im besonderen –

Viktor Schklowskij: „Schriften zum Film“, ausgewählt und aus dem Russischen von Alexander Kaempfe; edition suhrkamp 174, Suhrkamp Verlag, Frankfurt; 168 S., 3 DM.

ES ENTHÄLT fünfzehn Aufsätze über den Film, geschrieben zwischen 1923 und 1963, wovon sich fünf mit Filmästhetik beschäftigen; in einem zweiten Teil je ein Kapitel über Dsiga Wertow, Sergej Eisenstein und Esther Schub; außerdem Glossen und Rezensionen, darunter eine Kritik des Filmes „Die Dame mit dem Hündchen“.

ES GEFÄLLT, weil hier die Schriften eines Mannes zugänglich gemacht sind, der zu jener mit dem Schlagwort „russische Formalisten“ bezeichneten Gruppe von Kritikern, Linguisten und Literaturwissenschaftlern gehört, die weder im eigenen Land, was verständlich ist, noch im Ausland, was dringend nachzuholen war, bisher die Beachtung gefunden hat, die sie verdient. Es gefällt außerdem, weil Schklowskijs Gedanken zu Filmen diese immer wieder in Beziehung setzen zu anderen Künsten, der Literatur vor allem, und es sich hier trotz der spezifischen Methode Schklowskijs nicht um eine faktenfremde Essayistik handelt: An Hand seiner Schriften zum Film kann man Präziseres über das Filmemachen in der Sowjetunion und seine Traditionen erfahren als aus manchem zehnmal so dicken Wälzer. U. N.