Wilhelm Gefeller, 1. Vorsitzender der IG Chemie/Papier/Keramik, vor dem 7. Ordentlichen Gewerkschaftstag in Dortmund:

„Als alter Arbeiterfunktionär fordere ich Herrn Ulbricht auf, diesem Gewerkschaftstag ein Telegramm zu schicken, in dem er sich bereit erklärt, erneut über einen Redneraustausch mit der SPD zu verhandeln, und zwar unter der Bedingung, nur über Deutschland zu sprechen.“

Bundesarbeitsminister Katzer als Vertreter der Bundesregierung und „Neues Deutschland“ wollen Gefellers Worte so verstanden haben: „An Herrn Ulbricht als alten Gewerkschaftsfunktionär.“

Willy Brandt in Dortmund: „Wir werden uns wieder zu Wort melden in der Auseinandersetzung mit Kräften, die drüben auf ihre Weise politischen Einfluß haben.“

Walter Ulbricht: „Werter Kollege Wilhelm Gefeller! ... Zu den Anregungen in der Eröffnungsrede des Gewerkschaftstages, deren Aufgeschlossenheit wir würdigen und begrüßen, wellen wir zunächst sagen, daß wir gewillt sind, den Dialog weiterzuführen. Aber der Dialog kann nur auf dem Wege offizieller Verhandlungen zwischen den Organisationen zu einer Annäherung und Verständigung führen. Solche Verhandlungen sind von großer Bedeutung für die Entspannung und die Normalisierung der Beziehungen zwischen beiden deutschen Staaten. Deshalb sind sachliche Verhandlungen zwischen den Leitungen der SED und der SPD, der Gewerkschaften und anderer Massenorganisationen in beiden deutschen Staaten die Grundlage für die so notwendige Annäherung.“

Staatssekretär von Hase im Namen der Bundesregierung: „Ich versage es mir im gesamtnationalen Interesse, hier die Worte von Gefeller an Ulbricht zu zitieren. Ich bin sicher, daß die gebührende Antwort hierauf auch von Gewerkschaftsseite gefunden werden wird. Ich möchte nur so viel sagen: Ulbricht hat diese Offerte beantwortet und sein Angebot für Gespräche zwischen SED und SPD mit der Aufforderung zur Anerkennung des kommunistischen Zwangsstaates, der Bildung einer Volksfront zwischen SED und SPD sowie den Massenorganisationen der SBZ und des DGB verbunden.“

Gefeller: „Kann der Herr von Hase nicht lesen, oder kann ich oder konntet Ihr nicht lesen?“

Manfred Menzel, Pressereferent der IG Chemie: „Die IG Chemie betrachtet mit diesem Telegramm ihre beabsichtigte Maklerrolle als beendet. Es liegt jetzt an der SPD, den Faden wiederaufzunehmen.“