Der Verband deutscher Reeder und der Verband deutscher Küstenschiffer haben ihr (sozialpolitisches) Steuerrad festgebunden. Frei nach dem alten Seemannsschnack: „Kommt Grün und Rot voraus in Sicht, leg’s Ruder mittschiffs, mach die Augen dicht.“ Vorzugsweise rot sahen die deutschen Seeunternehmer, als sie die gemeinsame Kündigung der beiden Seeleute-Gewerkschaften, der ÖTV und der DRG, lasen. Diese kündigten fristgemäß den Heuer- und Manteltarifvertrag zum 31. Dezember 1966 und fordern eine höhere Entlohnung, vor allem aber einen umfassenden Freizeitausgleich. Alles in allem, so errechneten die Reeder, würde das eine Erhöhung aller Lohnkosten um rund 50 Prozent ausmachen.

Die Reeder holten zum ersten Male nach rund 20 Jahren der Sozialpartnerschaft eine ganz große Kanone hervor und lehnten es rundheraus ab, über diese Forderungen in Verhandlungen einzutreten. Sie erklärten sich lediglich bereit, ihre Ablehnung mündlich näher zu begründen.

Die Gewerkschaften haben einige Mittel in der Hand, um die Reeder doch noch an den Verhandlungstisch zu bringen. Erst einmal wollen sie das Bundesverkehrsministerium veranlassen die permanente Unterbesetzung vieler Schiffe nicht mehr mit Ausnahmegenehmigungen zu kaschieren. Und sollte es durch die Ablehnung jeglicher Verhandlungen zu einem deutschen Seeleutestreik kommen, steht jetzt bereits fest: Tausende von Seeleuten werden zwar ihre Schiffe verlassen – keineswegs alle jedoch werden von dem bequemeren Leben an Land den Weg auf die Schiffe wieder zurückfinden. c. b.