Nur widerwillig verbinden sich Stickstoff und Wasserstoff miteinander. Es bedarf einer Temperatur von 500 Grad Celsius, eines Drucks von 200 Atmosphären und außerdem der Vermittlung eines Katalysators, daß die beiden Gase sich zu Ammoniak vereinen, zu einem der wichtigsten Grundstoffe der chemischen Industrie. Ammoniak dient unter anderem als Ausgangsmaterial zur Herstellung stickstoffhaltiger Kunstdünger.

Zwei Chemiker der Bergakademie Freiberg in Sachsen, Professor R. Schrader und Dr. S. Schönherr,entdeckten jetzt eine Möglichkeit, Ammoniak auch bei Zimmertemperatur ohne Druck und ohne Katalysator herzustellen. Sie beschossen, wie sie in der „Umschau in Wissenschaft und Technik“ berichten, ein Stickstoff-Wasserstoff-Gemisch mit Neutronen und Gammaquanten eines Kernreaktors. 2,6 Prozent des Ausgangsgemisches vereinigten sich dadurch zu Ammoniak.

Der Preis der so erzeugten Verbindung, schreiben Schrader und Schönherr, beträgt zwar das Hundertfache des herkömmlichen Ammoniakpreises. Die beiden Chemiker halten es jedoch für möglich, daß sie durch geringfügige Änderung der Reaktionsbedingungen die Ammoniakausbeute wesentlich steigern und so die Kosten beträchtlich senken können. E. L.