Selbst am Grabe Hendrik Verwoerds, des „Apostels der Apartheid“, wurde die Rassentrennung praktiziert. Die wenigen afrikanischen Häuptlinge und die Vertreter der Inder und der Mischlinge, die zur Trauerfeier in Pretoria geladen waren (unter ihnen der Erste Minister des Bantustaates Transkei, Kaiser Mantanzima), mußten in einem separaten Block Platz nehmen. Was Hunderttausende weißer Südafrikaner empfanden, faßte der Trauerprediger in die Worte: „Wir haben den Mann verloren, aber Gott sei Dank ist uns seine Botschaft geblieben“, nämlich, daß Gott in seiner Weisheit die Rassen unterschiedlich geschaffen habe.

Es entbehrte nicht der tragischen Ironie, daß der Mörder des wohl verhaßtesten Staatsmannes in Afrika ein Mischling war, der als Weißer angesehen wurde und sich darüber erboste, daß Verwoerd für die Schwarzen mehr getan habe als für die armen weißen Arbeiter.

Die Herkunft des Attentäters ist noch ungeklärt. Er spricht acht Sprachen, besaß fünf Pässe und legte sich verschiedene Namen zu: Dimitri Tsafendas oder Dimitrios Zafendakis, auch Stifianos und Chipendis. Nach einer Version war er das uneheliche Kind eines Griechen und einer Mulattin aus Portugiesisch-Ostafrika; nach einer anderen jedoch der Sohn einer Afrikanerin und eines in Ägypten geborenen Mannes.

Mehrmals kam er in den vierziger Jahren als Seemann in die USA, wo er sich dauernd mit den Einwanderbehörden herumschlug und mit einigen Nervenkliniken Bekanntschaft machte.

Wenige zweifeln, daß Tsafendakis ein Einzelgänger war. Wie dem auch sei – seine Tat brachte einen noch strammeren Mann an die Spitze Südafrikas: den Polizeiminister und ehemaligen Hitler-Fan Balthazar Johannes Vorster.