Man kennt sie vor allem aus Rundfunksendungen und von den üblichen Fernsehbildern: die Cappella Coloniensis. Konzertreisen sind für Nichtbetroffene uninteressant, und Kammerorchester oder kleinere Ensembles lassen sich relativ bequem verfrachten. Sie machen deutsche Musik in aller Welt populär, es gibt liebenswürdige Einladungen, Empfänge in vielen Variationen, „man hat etwas getan für die deutsche Kultur“. Hat man wirklich etwas getan?

Es wäre wieder einmal festzustellen, daß man in anderen Erdteilen nicht so genau zwischen Ost- und Westdeutschland unterscheiden kann. Es wäre auch festzustellen, daß die Cappella Coloniensis sich von der Menge üppig aufschießender Kammerorchester, die meist nur aus Streichern bestehen, ganz erheblich unterscheidet.

Die vom Westdeutschen Rundfunk gegründete Cappella wäre vergleichbar mit alten Hofkapellen, wie sie an künstlerisch bedeutsamen Fürstenhöfen liebevoll gepflegt und unterhalten wurden, bis eine andere musiksoziologische Ordnung andere Träger fand. Für die Cappella Coloniensis wurde der Westdeutsche Rundfunk zum Mäzen.

Die Mitglieder der Cappella sind meist Professoren an deutschen Musikhochschulen oder erste Solisten deutscher Sinfonieorchester. Sie haben das Gefühl, man müsse Barockmusik eben so musizieren und nicht anders.

Die Cappella Coloniensis, die gerade von einer Südamerika-Tournee zurückgekehrt ist, pflegt die Musik des frühen Barock bis in die Vorklassik, sie kümmert sich auch um frühere Werke Mozarts. Sie glaubt, diese Exklusivität sich leisten zu sollen, weil sie auf dem historischen Instrumentarium spielt. Man hat das Alte gesammelt, ist den Dingen auf den Grund gegangen und hat sogar die Clarini der Bachzeit rekonstruiert mit Hilfe eines Herforder Instrumentenbauers, der selber ein ausgezeichneter Solist ist.

Etwas anderes kommt hinzu: Die Cappella stimmt auf den alten Kammerton des 17. Jahrhunderts, das heißt einen halben Ton tiefer als heute üblich. Das hat wunderbare Folgen: Es gibt keinen grellen Streicherklang mehr, die Oboen klingen süß, ohne sentimental zu wirken, die Blechblasinstrumente leicht und hell.

Auf der Südamerika-Tournee leitete Günther Wich, Chef der deutschen Oper am Rhein, das Ensemble. Wich kommt aus dem Kreis der Freiburger Musikhochschule, von wo die Renaissance der historischen Musizierpraxis ausging. Er hat ein untrügliches Gefühl für die Agogik, wie sie auch früher eine Rolle spielte für die richtigen Proportionen der Tempi.