Die Welt wurde vorige Woche um eine Friedenshoffnung ärmer, die sich ein paar Tage lang auf Grund von Berichten japanischer Chinareisender gehalten hatte. Außenminister Tschen Ji sollte erklärt haben, daß China nicht unbedingt Gespräche über Vietnam für ausgeschlossen halte. Doch die Chinesen bestanden auf einer Berichtigung: Peking denke nicht im entferntesten daran, mit den USA über einen Frieden in Vietnam zu verhandeln.

Wenig später brüskierte Peking die USA, indem es zum erstenmal die Vertraulichkeit der Warschauer Botschaftergespräche brach. Botschafter Wang Kuochuan veröffentlichte die Erklärung, die er dem US-Botschafter John Gronouski verlesen hatte: „Die USA setzen ihre feindselige und aggressive Politik gegen China mit verdoppelter Anstrengung fort. Die Blutschuld der US-Regierung muß beglichen werden.“

Zielscheibe dieses Protestes war freilich eher Moskau als Washington. Zwar behauptete Peking, Gronouski habe als erster nicht dicht gehalten und vor einiger Zeit einem Reporter Einzelheiten der Botschaftergespräche ausgeplaudert. Entscheidend war jedoch, daß Moskau aus diesem (nur technische Fragen behandelnden) Interview eine chinesisch-amerikanische Komplicenschaft herauslesen wollte. Von diesem Verdacht wollte sich Peking anscheinend so rasch wie möglich reinwaschen, um nicht die Nordvietnamesen zu verärgern, deren höchste Führer in den letzten Wochen nacheinander im Kreml vorsprachen.

Jugoslawische Meldungen über einen sowjetischen Versuch, Nordvietnam zum Einlenken zu bewegen, erwiesen sich freilich ebenfalls als voreilige Spekulation. Hanoi dementierte nicht nur, sondern wies auch entschieden das jüngste Angebot Präsident Johnsons zurück, die USA und Nordvietnam sollten gleichzeitig einen Zeitplan für den Abzug ihrer Truppen aus Nordvietram vorlegen.

Seinen Vorschlag hatte Johnson ursprünglich insgeheim über de Gaulle an Ho Tschi Minh weiterleiten wollen. Aber der französische Präsident schob den Plan beiseite und stellte es in Kambodscha so dar, als ob die Amerikaner unter gar keinen Umständen zum Rückzug bereit seien. Star-Journalist Joseph Alsop erklärte sich de Gaulles betont anti-amerikanische Haltung damit, daß die Informationen und Ansichten des Generals über Vietnam immer noch vom Geheimdienstapparat der einstigen französischen Kolonialverwaltung herrühren, der schon 1954 die amerikanische Pro-Diem-Politik durchkreuzen wollte.

In Paris war zu hören, Johnsons Angebot habe nichts Neues enthalten, zumal er überhaupt nicht zwischen Truppen Nordvietnams und den aufständischen Vietcongs im Süden unterschieden habe.