Von Horst Vettern

Der Wertbegriff hieß früher Cassius Clay, und rund um den Erdball verband der Zeitgenosse damit Assoziationen von einem aufgerissenen Mundwerk, dessen Öffnung zwei Zahnärzten gestattet hätte, gleichzeitig Manipulationen an Unter- und Oberkiefer durchzuführen.

Seit einiger Zeit heißt der Wertbegriff Muhammad Ali, und wie das mit Markenzeichen so ist: man soll sie nicht ändern. Denn Muhammad Ali ist nicht mehr das, was Cassius Clay vorher war, er spricht nicht mehr halb so laut und nicht mehr halb so viel wie früher, auch legt er ein unerträglich zivilisiertes Benehmen zur Schau, und überhaupt wissen die vormals hocherfreuten Reporter heute nicht mehr, was sie heute über den Kerl schreiben sollen, der sich so sittsam-fad benimmt, daß einem nichts mehr zu ihm einfällt.

Früher nannte er seine Gegner "furchtsame Kaninchen" und versuchte sie öffentlich mit Karotten zu füttern, was nicht nur Stoff für spaltenlangen Text, sondern auch recht hübsche Bilder hergab. Heute aber erklärt dieser Mensch ungerührt, er sei nach Deutschland gekommen, um zu boxen, und nicht um zu reden. Auch sonst verrät er Anzeichen von Intelligenz, wovon vor etlicher Zeit die amerikanischen Militärärzte ein nur so geringes Vorkommen entdeckten, daß sie ihn deshalb vom Wehrdienst zurückstellten. Womit endlich das Thema erreicht wäre.

Cassius Clay, alias Muhammad Ali, Weltmeister aller Klassen, 24 Jahre alt, soll demnächst unter Uncle Sams Flagge gen Vietnam ziehen. Mittlerweile haben die Musterungsmediziner nämlich ihre Ansicht revidiert, Cassius sei zu dämlich, um in den bunten Rock zu schlüpfen, und neigen vielmehr zu der Ansicht, er sei möglicherweise doch als GI brauchbar. Mithin sah es Cassius als überholt an, weiterhin seine Geistesgaben zu verbergen. Er hörte auch auf, Sprüche zu klopfen, verriet durch sein Auftreten, daß ihm Manieren doch nichts völlig Unbekanntes sind und nannte sich fürderhin Muhammad Ali. Letzteres war das wichtigste.

Denn mit der Namensneugebung tat der Weltmeister nichts weniger kund, als daß er zur Lehre der "Schwarzen Moslems" konvertiert war – und, jawohl, Priester dieser Sekte zu werden gedenke. An dieser Stelle muß vermerkt werden, daß angehende Priester in den USA vom Wehrdienst befreit sind.

Soweit die Geschichte des Markenzeichens Cassius Clay, das in Muhammad Ali umbenannt wurde und dadurch folgerichtig – wie jedermann in der Werbewirtschaft es hätte vorhersagen können – an Ausstrahlungskraft verloren hat. Nur dadurch aber kam es zu folgenden Konsequenzen: