Eine Frauenstimme tönt melodisch aus den Muscheln des Kopfhörers: „Sind Sie müde?“

„Dsind dsie mühde?“ spricht das junge Mädchen frisch und munter nach.

„Oh, da ist ja der neue Schlafanzug“, sagt die Stimme der Lehrerin.

„Oh, da isd dscha der neue Schlawwansug“, wiederholt die Schülerin.

Deutschunterricht für Franzosen am Goethe-Institut in Paris.

Das Klassenzimmer bietet einen seltsamen Anblick. Ein Trockenkurs für Flugzeugkapitäne vielleicht, denkt der ahnungslose Betrachter. Hinter von Plexiglas umgebenen Pulten, in der Art von Sprechkabinen, sitzen an die zwanzig Schüler und Schülerinnen. übers Haupt gestülpt tragen sie wie Düsenjägerpiloten Kopfhörer mit angeklinktem Mikrophon. Ihre Hände auf den Pulten gleiten über Kunststofftasten, die bei leichtem Fingerdruck aufleuchten.

Die Schüler wirken sehr beschäftigt. Jeder nestelt für sich an den Tasten. Ein Druck: man hört den Lehrer im Ohr. Die Stimme kommt von einem Tonband. Das Gerät steckt unsichtbar im Schülerpult. Der zweite Druck: jetzt kann der Schüler selber sprechen. Das Band hält seine Worte fest. Noch ein Druck: das Band läuft zurück und spielt die letzte Passage noch einmal ab. Die Stimmen von Lehrer und Schüler erklingen wieder, unmittelbar nacheinander.