Von Peter Demetz

Die fortgesetzte Lektüre in einer einzigen Richtung der Windrose hat ähnliche Wirkung wie eine gemächliche Reise in ein anderes Land; gegen den eigenen Zweifel beginnt man an die Wirklichkeit des konstanten Nationalcharakters zu glauben.

Ich zweifelte lange, aber dann las ich drei helvetische Bücher mit- und nebeneinander, und die Frage war sogleich unabweisbar, ob die drei Schweizer Autoren nicht durch gemeinsame Neigungen und Antipathien verbunden wären. Ins geistesgeschichtliche Feuilleton mit dem metaphysisch unveränderlichen Nationalcharakter – aber was tun mit dem sprunghaft veränderlichen Ortsgeist, der in einer bestimmten Epoche, einer politisch geprägten Sphäre, einer charakteristischen Sprache zu artikulieren liebt?

In den unlängst erschienenen Arbeiten Schweizer Kritiker ist das Gemeinsame, das selbst die Individualitäten zu einer Gegenfigur deutscher oder österreichischer Entwicklungen zusammenbindet, nicht leicht zu übersehen –

Carl Spitteler: „Kritische Schriften“, ausgewählt, eingeleitet und erläutert von Werner Stauffacher; Klassiker der Kritik, Artemis Verlag, Zürich/Stuttgart; 429 S., 34,– DM

Max Rychner: „Aufsätze zur Literatur“; Manesse Verlag, Zürich; 564 S., 15,50 DM

Werner Weber: „Tagebuch eines Lesers“; Walter Verlag, Olten/Freiburg; 360 S., 19,– DM.