Robert Schumann: „Klaviertrio Nr. 2 F-Dur op. 80“ und Maurice Ravel: „Klaviertrio a-Moll“; das Beaux Arts Trio; Philips 835 395 AY, 25,– DM

Die Mißhelligkeit zwischen wohltemperiertem Klavier und freitemperierten Streichinstrumenten hat Komponisten immer wieder provoziert,, es trotzdem zu versuchen – und aus der reizvollen Diskrepanz musikalischen Gewinn zu ziehen. Merkwürdigerweise haben diese Anstrengungen fast immer Taugliches, oft große Kunst hervorgebracht. Zwei Beispiele dafür enthält die Schallplatte. Erstens: Robert Schumanns zweites Klaviertrio (von 1847), berühmt vor allem für seine romantische Polyphonie. Zweitens: Maurice Ravels einziges Klaviertrio von 1913/1914, „dessen Herbheit zugleich glühend und keusch ist“ (so sagte es Ravels Freund Roland-Manuel). Es ist ein intellektuell durchkonstruiertes Stück voller „Schwebezustände“. Solche Unwägbarkeiten finden sich freilich nur zwischen den Zeilen, man muß sie spüren. Es scheint, als sei gerade dies dem vorzüglichen amerikanischen „Beaux Arts Trio“ nicht gelungen. Im ersten Satz glaubt man fast das Metronom ticken zu hören, im dritten wird die Vorschrift „très large“ in „sehr, sehr langsam“ umgedeutet, im letzten Satz triumphiert nicht Kraft, sondern unbiegsame Härte. Das ist, wenn auch „richtig“ gespielt, sicherlich nicht der „richtige“ Ravel: spannungslos. Selbst Schumanns Trio wirkt da wie ein akademisches Ereignis: blaß. Warum spielen die drei Herren so schwer, so brav, so steif, so korrekt? M. S.