Von Werner Höfer

Den Rumänien-Rückkehrer Kurt Schmücker erwartete nach den heißen Tagen von Bukarest eine noch heißere Woche in Bonn, denn für die Bemühungen des Bundeskanzlers um eine Stabilisierung der Wirtschaft muß er im Bundestag als verantwortlicher Minister den Kopf hinhalten. Aber mit der Gelassenheit, die wohlbeleibte Männer auszuzeichnen pflegt, äußerte er sich, den Stuhl, den Ludwig Erhard ihm hinterlassen hat, kompakt füllend, in der Pause einer Sitzung des Fraktionsvorstandes über seine Expedition zum Schwarzen Meer.

„Die Rumänien-Reise hat Ihnen, Herr Minister, einen solchen Prestigezuwachs gebracht, daß Ihr Name an der Bonner Gerüchtebörse im Zusammenhang mit Spekulationen um eine Kabinettsumbildung wohl nicht mehr genannt wird?“

„Aus Sorge um mein Prestige habe ich diese Reise wahrlich nicht unternommen, und schon gar nicht aus Sorge um meinen Platz im Kabinett. Allerdings fühle ich mich gerade jetzt, nach den Besprechungen in Bukarest und vor der Stabilisierungsdebatte in Bonn, durchaus nicht amtsmüde. Im übrigen sind Berufung und Abberufung eines Ministers abhängig vom Vertrauen des Bundeskanzlers und der Fraktion.“

„War auf Ihrem Vertrauenskonto in letzter Zeit eine Bewegung zu bemerken?“

„Ich habe davon nichts gemerkt.“

„Hatte der Bundeskanzler auf den Plan Ihrer Reise nach Bukarest ebenso reagiert wie jetzt auf deren Ergebnis?“