Von Nina Grunenberg

Montag vormittag, elf Uhr: Sitzung des Verteidigungsausschusses.

So stand es im Terminkalender von Peter Popp, dem Bonner Bild-Journalisten der amerikanischen Nachrichtenagentur UPI. Die Kamera nahm er nicht mit: Er hatte schon vor drei Tagen, bei der ersten Sondersitzung des Ausschusses, photographiert, und seiner Agentur hatten die Bilder genügt. Als wir ins Bundeshaus kamen, warteten seine Kollegen schon vor der Tür zum Saal 117a auf die Ankunft der Bundestagsabgeordneten, der Generale und des Ministers von Hassel. "Kennst du den Draeger?" fragte jemand. "Nie gehört." – "Ich soll ihn auch. machen." "Ich glaube, er hat graue Haare."

"Was ist denn los mit dem Draeger?" fragte einer der Photo-Reporter: Die Sorge, ihm könne mit dem Mann namens Draeger etwas entgehen, schien ihn nervös zu machen. Aber eine Antwort bekam er nicht.

Mittlerweile waren die ersten Abgeordneten schon eingetroffen, ohne daß jemand auf den Auslöser gedrückt hätte. Sie waren unbekannt, und für die Photo-Journalisten bedeutet das soviel wie "uninteressant". Schon ihrer Art, durch den Flur in den Saal zu huschen, war anzumerken, daß sie selten in den Genuß von Kamera und Blitzlicht kommen. Mit einem verschämten Seitenblick auf die Linsen trugen sie sich hastig in die Anwesenheitsliste vor der Saaltür ein und packten an ihrem Platz schnell die Tasche aus, um sich in ihre Akten zu vertiefen.

Ganz anders die Prominenz. Sie kommt nicht zeitig, sondern nur pünktlich. Vor allem aber eilt sie nicht durch den Flur, sondern läßt den Photographen Zeit, sich zu einem Bild zu entschließen. So wandelte der SPD-Wehrexperte Wienand gemessen zur Tür, schaute fest und freundlich in alle Linsen und vergaß nebenbei auch nicht, die Fragen, die ihm zugerufen wurden, im Vorübergehen glatt zu beantworten.

Und Helmut Schmidt erst, der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD: Da bildete sich wie von selbst ein Spalier, als er lächelnd daherkam, eine Minute nach Wienand. Blitzlichter flammten auf, Kameraverschlüsse klickten. "Mehr Licht, Mensch, mehr Licht", rief ein Fernseh-Kameramann seinem Assistenten zu. Und daneben manch’ weher Blick von jenen Mitgliedern des Ausschusses, die nur Gefolge waren.