„Je mehr Rhodesien angegriffen wird, um so heftiger wird das Land zurückschlagen!“ Unter dem Jubel seiner Landsleute nahm Ian Smith die neue Kampfansage aus London entgegen, noch ehe sich die Commonwealth-Konferenz darüber einig geworden war, wie das Rebellenregime der weißen Siedler in Rhodesien auf die Knie gezwungen werden kann.

Vier Tage lang war die wenig erfolgreiche Rhodesien-Politik der britischen Labour-Regierung von den afro-asiatischen Delegierten mit beißendem Spott bedacht worden. Sambia, Sierra Leone und Guiana setzten Premierminister Wilson mit der Drohung ihres Austritts aus der Völkergemeinschaft unter Druck.

Der Premierminister von Singapur, Lee Kwan Yew, forderte Bombenangriffe gegen die rhodesischen Eisenbahnlinien. Da man den Engländern keinen Krieg gegen die englischstämmigen Siedler von Rhodesien zumuten könne, sollte man schwarze Rhodesier für einen Guerillakrieg nach dem Vorbild des Vietcong ausbilden. Überraschend stellte sich Indien hinter diesen radikalen Vorschlag, der völlig außer acht ließ, daß Rhodesien kein Dschungelland ist und es dort auch nicht – wie in Vietnam – Gebiete gibt, die nicht der Kontrolle der Regierung unterstehen.

Am Montag gab Wilson einen Kompromißvorschlag bekannt: Großbritannien will noch einmal versuchen, mit der Regierung Smith eine Lösung auszuhandeln. Die Rhodesier sollen ihren Widerstand noch vor Beginn der UN-Vollversammlung aufgeben und einer Übergangsregierung zustimmen, der die afrikanische Mehrheit, liberale Weiße und womöglich auch Smith selber angehören. Andernfalls würden die Wirtschaftssanktionen verschärft, indem die rhodesischen Exporte von Asbest, Roheisen und Chrom unterbunden werden.

Siebzehn der zweiundzwanzig vertretenen Commonwealth-Länder widersetzten sich dem Plan. Sie verzichteten zwar auf militärische Gewaltanwendung, bestanden jedoch auf einem totalen Wirtschaftsboykott und einer Frist für der Sturz der Regierung Smith. In Salisbury gibt man sich gelassen. Die Regierung Smith erwägt sogar den Austritt aus dem Commonwealth und die Proklamation einer Republik.