DIE ZEIT

Bonn ohne Mut

Da war nun also ein leibhaftiger Minister der Bundesregierung in Rumänien, der erste, der seit Kriegsende in ein osteuropäisches Land vordrang.

Polizeistiefel

Sie beide heißen Jürgen Henschel. Der eine, Berliner Kindesentführer, wurde auf einem norwegischen Campingplatz von Interpol dingfest gemacht.

Alles beim alten

Die Regierungsumbildung ist fürs erste abgeblasen. Die CDU/CSU-Fraktion läßt dem Kanzler freie Hand, wann er sich von einigen verschlissenen Ministern trennen will.

Abschied von der Marktwirtschaft?

Wenn die Regierung Erhard die Vollmachten erhält, um die sie seit Mittwoch im Bundestag kämpft, dann wird es zum erstenmal seit achtzehn Jahren einen tiefgreifenden Wandel unserer Wirtschaftsordnung geben.

Seine Bettlektüre: Bilanzen

Der wirklich große Verleger fängt dort an, wo der Herausgeber aufhört. Wer ständig fürchten muß, für irgendein Adjektiv eines impulsiven Leitartiklers Ärger mit dem Establishment, mit der Zunft oder gar mit den Gerichten zu bekommen, der wird eines Tages die Wahl jener Worte durch Ukas reglementieren oder gar anfangen, die Leitartikel selbst zu schreiben.

Die Letzten bissen die Hunde

Aus dem Wäldchen dröhnte es laut zur Höhe 555,8 hinüber: "Weiterer Widerstand ist zwecklos – Entkommen unmöglich! Ergeben Sie sich!" Die Stimme kam von einem Tonband; ein Lautsprecher verstärkte sie.

ZEITSPIEGEL

Von einem Militärgericht in Fort Dix wurden James Johnson und David Sornas zu je fünf Jahren Schwerarbeit verurteilt. Die beiden Soldaten hatten sich am 14.

Wolfgang Ebert:: Die Panne

In einer wichtigen Angelegenheit trafen sich neulich die Rundfunkräte Klutsch (SPD) und Streck (CDU) in einem Waldcafe. Doch ihnen war nicht nach Kaffee und Kuchen.

Krieg mit Stimmzetteln

Am gleichen Sonntag, als die Südvietnamesen 117 Delegierte in ihre verfassunggebende Nationalversammlung wählten, und die Wahlbeteiligung von achtzig Prozent alle Washingtoner Erwartungen übertraf, flogen die amerikanischen Luftstreitkräfte mit annähernd fünfhundert Maschinen eine Rekordzahl von 171 Einsätzen gegen Nordvietnam.

Weißer Lotos gegen Goldenen Drachen

Der Vizeluftmarschall Nguyen Cao Ky hält beim Reden seine Hände angewinkelt, als umfaßten sie einen Steuerknüppel. Er zieht sie locker und rhythmisch zur Brust, wenn er auf die nächsten Pläne seiner Regierung zu sprechen kommt: Er hat Auftrieb, er gibt Höhenruder.

Das Urteil von Salisbury

Die Verfassung, auf die sich die rhodesische Regierung stützt, ist ungesetzlich. So beschieden es klipp und klar die beiden Richter des Obersten Gerichtshofes in Salisbury.

Polizeistaat auf Abruf?

Auf dem Weg einer Strafanzeige versucht jetzt die "Humanistische Union", dem liberalen Grundgesetz der Bundesrepublik Geltung zu verschaffen.

Versunken im Aktenstaub

Sie gedachten, eine Affäre aufzuklären, einem Skandal auf den Grund zu kommen. Doch wo sie auch hinfaßten, griffen sie in Aktenstaub.

Zwischen zwei Feuern

Die parlamentarische Arbeit in Rom begann im Zeichen des Südtirol-Konfliktes. Das Problem der deutschen Minderheit zwischen Brenner und Salurner Klause ist in diesem Sommer entscheidungsreif geworden.

Rote Garden in Damaskus

In Syrien herrschte vorige Woche wieder einmal ein großes Durcheinander. Der radikale Flügel der Baath-Partei, der im Februar nach einem blutigen Putsch die Macht an sich gerissen hatte, ging zum offenen Kampf gegen den gemäßigten Flügel der Partei über.

Apartheid - auch beim Begräbnis

Selbst am Grabe Hendrik Verwoerds, des „Apostels der Apartheid“, wurde die Rassentrennung praktiziert. Die wenigen afrikanischen Häuptlinge und die Vertreter der Inder und der Mischlinge, die zur Trauerfeier in Pretoria geladen waren (unter ihnen der Erste Minister des Bantustaates Transkei, Kaiser Mantanzima), mußten in einem separaten Block Platz nehmen.

Alte Arbeiterfunktionäre

„Als alter Arbeiterfunktionär fordere ich Herrn Ulbricht auf, diesem Gewerkschaftstag ein Telegramm zu schicken, in dem er sich bereit erklärt, erneut über einen Redneraustausch mit der SPD zu verhandeln, und zwar unter der Bedingung, nur über Deutschland zu sprechen.

Von ZEIT zu ZEIT

Die USA werten die angeblich hohe Wahlbeteiligung in Südvietnam als einen großen politischen Erfolg. Die Sowjetunion sondiert Möglichkeiten für einen Frieden in Vietnam.

Freie Hand für Erhard

Mit der altbekannten Zauberformel vom Vorrang der Sachfragen vermochte Rainer Maria Barzel am Montag noch einmal die schwelende Krise innerhalb der CDU/CSU-Bundestagsfraktion einzudämmen.

Das Tauziehen um Vietnam

Die Welt wurde vorige Woche um eine Friedenshoffnung ärmer, die sich ein paar Tage lang auf Grund von Berichten japanischer Chinareisender gehalten hatte.

Guerillas nach Rhodesien?

„Je mehr Rhodesien angegriffen wird, um so heftiger wird das Land zurückschlagen!“ Unter dem Jubel seiner Landsleute nahm Ian Smith die neue Kampfansage aus London entgegen, noch ehe sich die Commonwealth-Konferenz darüber einig geworden war, wie das Rebellenregime der weißen Siedler in Rhodesien auf die Knie gezwungen werden kann.

Namen der Woche

Dionisio Ridruejo, Dichter der spanischen Falange-Hymne Cara al Sol, seit einigen Jahren scharfer Kritiker des Franco-Regimes, ging für einen Monat ins Gefängnis, nachdem er sich geweigert hatte, wegen Teilnahme an einer illegalen Versammlung in der Universität Madrid eine Geldstrafe von 1500 Mark zu zahlen.

Ungewißheit über Südafrika

Es ist unwahrscheinlich, daß der Dolch des Mörders den Lauf der südafrikanischen Geschichte entscheidend beeinflußt hat. Dennoch traf er das Land an seiner verwundbarsten Stelle.

Pekings einsame Position

Die chinesische KP-Zeitschrift „Rote Fahne“ hat dieser Tage bestätigt, was bisher nur aus indirekten Hinweisen zu erkennen war: daß in der Pekinger Führung harte Auseinandersetzungen bestehen und daß Mao die „Kulturrevolution“ nur nach schweren Widerständen durchsetzen konnte.

Die DDR verraten?

Selten hatten die Verbündeten der Sowjetunion in Osteuropa Gelegenheit, ihrem großen Bruder in Moskau mit so viel ehrlicher Überzeugung beizuspringen wie in der Empörung über Pekings linksradikalen, antisowjetischen Fieberanfall.

Machtprobe in Schweden

Die drei bürgerlichen Parteien in Schweden rüsten sich zum Sturm gegen die Herrschaft der Sozialdemokraten. Nachdem im vorigen Herbst die Arbeiterpartei in Norwegen nach drei Jahrzehnten von einer bürgerlichen Koalition abgelöst und in Dänemark das Minderheitenkabinett Krag dem Wohlwollen der Opposition ausgeliefet wurde, hoffen die bürgerlichen Parteien in Schweden, bald auch Erlander und seine Partei entmachten zu können.

Zimmermann wehrt sich

Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Friedrich Zimmermann, hat am Dienstag vor dem Ausschuß eine persönliche Erklärung wiederholt, die er schon einige Tage vorher gegenüber den Bundestags- und Landtagsabgeordneten der CSU abgegeben hatte: „Ich erkläre ausdrücklich, daß ich in meiner Eigenschaft als Mitglied des Verteidigungsausschusses niemals einen Tip erhalten habe, wo eine Garnison gebaut werden soll.

Hanseaten in Leningrad

Als der Hamburger Bürgermeister Professor Weichmann nach Leningrad aufbrach, wo er mit einer kleinen Delegation die erste Septemberwoche verbrachte, war er von Skepsis erfüllt.

Glanz und Schatten um einen König

Allem Anschein nach ist das Interesse des Lesepublikums an historischen Themen im Wachsen – an sich ein erfreuliches Symptom erstarkenden Traditionsbewußtseins, des Wunsches, zu wissen, woher man samt allen seinen Schicksalsbeladenheiten eigentlich kommt.

Das Harzburger Führungsmodell

Unter der Leitung des Autors ist im letzten Jahrzehnt in Harzburg die Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft entstanden, eine Institution, die seit längerem das mehr als beiläufige Interesse größerer und mittlerer Unternehmen findet.

Lautere Stellvertreter

Sehr viel mehr ist über diese erste Dokumentation der Martyrien auch kaum zu sagen. In jahrelanger Durchforschung der gerichtlichen, politischen, historischen und kirchlichen Archive, durch mühselige Suche nach möglichen Hinterlassenschaften der Ermordeten bei Verwandten und Freunden und in weltweiter Fahndung konnte die Verfasserin nahezu viertausend Schicksale durch das NS-Regime hingerichteter Priester registrieren, die erschossen, gehängt, zu Tode gefoltert, in Kerkern und Konzentrationslagern umgebracht worden sind.

Weltpolitik 1961

Eine Schar von hervorragenden Sachkennern berichtet über die weltpolitischen Ereignisse eines Jahres. Das Buch ist in drei große Abschnitte gegliedert: die großen Blöcke, die Dritte Welt, die Verstrickung der Politik der großen Mächte mit der Dritten Welt.

Die Demokratie in Hamburg

Als am Nikolaustag des Jahres 1859 die neugewählten Mitglieder der Bürgerschaft, des Parlaments der Freien und Hansestadt, sich im Gebäude der „Hamburgischen Gesellschaft zur Beförderung der Manufakturen, Künste und nützlichen Gewerbe“, kurz die Patriotische Gesellschaft genannt, unter dem Präsidium des noch in England geborenen Schiffsreeders Robert Miles Sloman versammelten, begann ein neuer Abschnitt im Verfassungsleben der alten Stadtrepublik: Auf älteren demokratischen Traditionen fußend, „hervorgerufen durch die öffentliche Meinung und die Tendenzen der Zeit“, markiert diese Eröffnungssitzung der gewählten Bürgerschaft den eigentlichen Beginn der Bürgerdemokratie.

Wozu amtliche Pressestellen?

Gisela Sänger: Die Funktion amtlicher Pressestellen in der demokratischen Staatsordnung, dargestellt am Beispiel der Bundesrepublik Deutschland.

„Schwäbischer Lebensabend“

Schon lange bevor am 5. September der Dritte Strafsenat des Bundesgerichtshofes zusammentrat, um über den 58 Jahre alten Angeklagten Emil Jakob Bechtle zu Gericht zu sitzen, war das Zentralorgan der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands „Neues.

Eiserne Kreuze aus der Tasche

Hamburg sollte am ersten Sonnabend im September auf dem Fischmarkt, wo man sonst jeden Sonntagmorgen mit Gesang und ohne Hemd hauptsächlich Fische, Geflügel, Würste, Wild, Vögel, Haustiere und Textilien billig einkaufen kann, endlich auch seinen Flohmarkt haben.

Krach um ein Hospital

Schon 1957 berichtete die Saarbrücker Lokalpresse über „unmögliche Zustände“ im kommunalen Krankenhaus, dem „Bürgerhospital“.

Die Sehnsucht der "Zwerge"

Auf der kleinen Dorfstraße lag die morgendliche Spätsommersonne. Kein Mensch war zu sehen. Nur aus dem offenen Fenster des Schulhauses am Dorfeingang drangen Stimmen.

Bremens politische Giebel

Bremens Pennbrüder sind heimatlos geworden. Bremens Volksvertretung aber hat eine Heimat. Wo Gammler ihre von Wermut schweren Häupter betteten, als das neue Parlamentsgebäude noch eine Baustelle war, hielt am vergangenen Freitag politische Prominenz aus Bund und Ländern über den protokollgerechten roten Teppich und den hauseigenen grauen Velours Einzug in ein Gebäude, das in seinen Grundfesten gezittert hat, längst bevor die Richtkrone aufgezogen wurde.

Im Koffer lag das Brautkleid

Vier Wochen lang hatte die Frankfurter Rundschau“ stillgehalten. Dann platzte dem Chef des Hauses, Karl Gerold, der Kragen: „Solange der ‚Fall Martina Kischke‘ nicht geklärt ist, weigert sich meine Zeitung, auch nur einen Vertreter oder gar eine der vielen sowjetischen Delegationen in ihren Räumen zu empfangen.

Die ATLAS-Krise

Als das Haus fertig war, hier in Duisburg, das Europahaus, das natürlich auch ohne Geld gebaut worden ist, das große Haus, da war es doppelt so teuer geworden wie es werden sollte, und wir mußten zusehen, daß es bezahlt wurde, damals vor zehn Jahren, aber mein Vater hat sich, obwohl er schon weit über die Sechzig war, nie ein graues Haar deswegen wachsen lassen, er hat nur gesagt: Das Geschäft floriert ja, finanzieren kann ich alles, wenn ich weiß, ich hab’ morgen Gewinne.

Gesang von Bildern

Wollte man nach Art der Fernseh-Kurzumfragen das Mikrophon unter die Passanten halten: „Halten Sie die Freiheit der Kunst heute für gegeben?“ dann wäre, so nehme ich an, ein klares Ja die Antwort.

Barockmusik in Südamerika

Man kennt sie vor allem aus Rundfunksendungen und von den üblichen Fernsehbildern: die Cappella Coloniensis. Konzertreisen sind für Nichtbetroffene uninteressant, und Kammerorchester oder kleinere Ensembles lassen sich relativ bequem verfrachten.

Kunstkalender

Peter Brüning war schon 1965 angenehm aufgefallen, als Manfred de la Motte im "Haus der Kunst" seine "Aspekte" einrichtete. Damals sah man bei Brüning helle, leuchtende und klar beschriebene Flächen, die etwa auf dem Weg zwischen seinen früheren, mehr einem lyrischen Informel zugetanen Arbeiten und den jetzigen "Landkartenbildern" oder "Legenden" standen.

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