A.B., Saarbrücken

Schon 1957 berichtete die Saarbrücker Lokalpresse über „unmögliche Zustände“ im kommunalen Krankenhaus, dem „Bürgerhospital“. Auch der stellvertretende ärztliche Direktor, Chefarzt Dr. Erbsen, nennt diese Zustände „unwürdig“; Franz Roth, der Beigeordnete für das städtische Krankenhauswesen, bezeichnet sie als „unhaltbar“. Der SPD-Stadtverordnete, Prof. Slotta, findet die Verhältnisse „katastrophal“.

Solche Kritik kann niemanden verwundern. Schon 1937 hielt man einen Krankenhaus-Neubau für erforderlich. Im Herbst 1967 – dreißig Jahre später also – werde das neue Krankenhaus auf dem Saarbrücker Winterberg stehen, hieß es dann auf einer Pressekonferenz im Februar dieses Jahres. Ende August indessen schockierte die „Saarbrücker Zeitung“ ihre Leser mit der Überschrift: „Militär ins Krankenhaus?“ Gemeint war das amerikanische, frankreich-vertriebene Stabsbataillon aus Orléans. Die Saar-Regierung hatte diese Zweckentfremdung des Krankenhausneubaues bei der Stadt über zwei Ministerien angeregt –, Ende Juni mündlich, am 10. August noch einmal schriftlich. Oberbürgermeister Fritz Schuster aber lehnte den Plan ab. Dennoch unterbrach er seinen Urlaub, als ihm in zwei Briefen angekündigt wurde, daß die drei Fraktionen des Stadtrates dem Projekt aufgeschlossen gegenüberstünden und die Militär-Interessenten den Bau besichtigen wollten.

Diese „halboffizielle Aufgeschlossenheit der Fraktionen“ – wie es heute heißt – ist nicht verwunderlich. Sie deckt sich mit den Interessen von Stadt und Land. Die wirtschaftliche Situation an der Saar ist prekär. Einige tausend Menschen würden mit dem US-Stab ins Land kommen. Allein bauliche Investitionen in Höhe von 50 Millionen Mark waren, nach Ansicht der Saarbrücker Staatskanzlei, notwendig. Da lockte man mit dem schnell bezugsfertigen, landschaftlich reizvoll und verkehrs- wie militärtechnisch günstig gelegenen Krankenhausgebäude.

Saarbrücken wollte gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Den Stadtverordneten war nicht so recht wohl bei dem Gedanken, daß sie im nächsten Jahr 4,5 und 1968 vier Millionen Mark auf dem Kapitalmarkt zur Restfinanzierung für das neue Hospital aufbringen mußten. Sie haben ohnehin schon Schulden gemacht, die 1000 Mark pro Bürger weit übersteigen. Die Vermietung des Gebäudes hätte die Fertigstellung beschleunigt und die finanziellen Schwierigkeiten überwunden.

Auf das Verständnis der Saarbrücker freilich konnten die Stadträte kaum hoffen. Die „halboffizielle Aufgeschlossenheit“ der Fraktionen wurde daher auch offiziell abgelehnt. Der Krankenhaus-Neubau wird nicht zur Verfügung gestellt. Ministerpräsident Dr. Röder hat die Hoffnung dennoch nicht aufgegeben, das von de Gaulle ausgewiesene Militär ins Saarland zu locken. Die neue Marschroute lautet nun: Der Neubau soll bis 1967 fertiggestellt und den Militärs das alte Krankenhaus angeboten werden. „Die Amerikaner aus Orleans scheinen nicht abgeneigt“, versicherte Landesvater Röder.