Auf dem Mond würden uns nicht nur Luft und Wasser fehlen, wir müßten wahrscheinlich auch unter dem dort herrschenden Mangel an Magnetismus leiden. Denn Magnetismus, das haben Versuche, die seit drei Jahren an verschiedenen Forschungsinstituten in den USA durchgeführt werden, gezeigt, ist vermutlich lebenswichtig. Und das Magnetfeld des Mondes ist um vieles geringer als das der Erde.

Im Auftrag der US-Raumfahrtbehörde beobachteten Dr. M. Halpern und Dr. John Van Dyke am Franklin Institute und am Hahneman Medical College in Philadelphia den Gesundheitszustand von Mäusen, die in einer durch spezielle Metalle gegen den Erdmagnetismus nahezu vollkommen abgeschirmten Umgebung gehalten wurden. Nach einigen Monaten stellte sich heraus: Die meisten Tiere verloren ihre Haare. Kopf, Hals und Brust wurden kahl. Außerdem starben die Mäuse im Durchschnitt früher als unter normalen Bedingungen.

In histopathologischen Untersuchungen fand man den Grund für den Haarausfall: Die Epithelzellen der Haut hatten sich auffallend stark vermehrt und die Haarfollikel verstopft. Abnormes Zellwachstum war auch in anderen Körpergeweben festzustellen.

Zu einem ähnlichen Resultat führten Untersuchungen an Pflanzen, die in einem fast magnetismusfreien Treibhaus ausgesät wurden. Zum Beispiel keimten hier wesentlich mehr Kleesamenkörner, als in einem gleichartigen, jedoch nicht gegen den Einfluß des Erdmagnetfeldes abgeschirmten Treibhaus. Weizensamen hingegen keimten zwar nicht häufiger, doch nach ein paar Wochen zeigte sich, daß die Wurzeln der im unmagnetischen Raum gewachsenen Weizenpflänzchen besonders lang und kräftig waren. Mithin nimmt auch bei Pflanzen, das ging aus diesen und weiteren Versuchen hervor, das Zellwachstum zu, wenn kein Magnetfeld vorhanden ist. Irgendeine Bremse scheint in den Zellen nicht zu funktionieren, wenn der Magnetismus fehlt.

Dr. Dietrich E. Bleischer hat jetzt an einem medizinischen Institut der US Navy damit begonnen, Versuchspersonen, die bis zu zehn Tagen in einem sehr schwachen Magnetfeld verbringen, zu beobachten. Gewicht, Temperatur, Atmung, Puls, Blutdruck, Herz- und Hirnströme werden gemessen und eine Reihe von Tests durchgeführt, darunter Seh- und Hörprüfungen, Reaktions- und Intelligenztests. Bis jetzt hat sich lediglich ein signifikanter Unterschied beim Gestalterkennen in schwachem Licht herausgestellt – es ist im magnetischen Nullfeld weniger zuverlässig. Bleischer nimmt an, daß sich das Fehlen des Magnetismus, wie bei den Mäuse-Experimenten, auch im menschlichen Organismus erst nach einigen Wochen oder Monaten bemerkbar macht. In einem neuen, größeren magnetfreien Raum sollen derartige Dauerversuche demnächst durchgeführt werden. V. G.