Nairobi ist das Hauptquartier für ostafrikanische Safaris. Die Stadt liegt 1700 Meter hoch. Hier kommen die Charterflugzeuge aus Europa an. Kolbenflugzeuge noch immer. In diesem Winter zum erstenmal auch Jetmaschinen aus Deutschland.

Nairobi hat 300 000 Einwohner und gilt als die schönste Stadt Afrikas. Als Eisenbahnkamp im Niemandsland zwischen Uganda und der Küste hat sie vor 70 Jahren begonnen. Nur zehn Jahre sind es her, da war Nairobi ein bewaffnetes Feldlager inmitten des Mau-Mau-Aufstandes. Wilde Kikuyus ringsum. Wie schnell politische Leidenschaften wieder abebben und verdrängt werden!

Jetzt ist es eine blühende Gartenstadt mit breiten Boulevards, subtropischer Vegetation an den Rändern, Blütenpracht auf den Mittelstreifen. Die Pflanzen duften stark, der Duft mischt sich mit dem „Parfüm d’Afrique“, dem eigenartigen Geruch eines fremden Kontinents. Nairobi liegt im frischen Hochlandklima mit Temperaturen zwischen acht und 35 Grad. Die Luft ist sehr sauber, abends wird es kühl. Pompöse Banken, Versicherungen, Handelshäuser, Hotels, Hospitäler, ein Theater sind britisch geprägt. Ausländisches Geld, Entwicklungshilfe arbeitet hier, es gibt englische Zeitungen. Aber der große Komplex imponierend moderner Bauten, die zu Nairobis Universität gehören, hebt sich herausfordernd ab vom altenglischen Stil. Die Afrikaner in weißen Kragen, die die Verwaltungen füllen, sind tonangebend in der Stadt. Neben den Pioniergeist treten frischer Ehrgeiz und Unternehmerwille. Wer Afrika entziffern will, erhält hier Anschauungsunterricht.

Auch der Tourist kommt nicht herum um eine politische Lektion. Er trifft die „alten Afrikaner“ aus Europa und neue Einwanderer, Deutsche darunter, Pflanzer, Jäger und Unternehmer, die ihm mit Eifer klarzumachen versuchen, daß die Kolonisation keine Kette von Verbrechen, auch keine Kette von Wohltaten war und daß die Überwindung der Unterentwicklung nicht ausschließlich eine Frage des Kapitals und der maschinellen Ausrüstung sein wird. Es gehe um, ein Problem der Mentalität: Genauigkeit, Pflichtgefühl, Zuverlässigkeit, Schätzung der Arbeit wäre etwas, was die Afrikaner noch lernen müßten. Der Tourist trifft Afrikaner in weißen Kragen auf Golfplätzen, in Hotels und Klubs und fern von den Städten im Busch die nackten Schwarzen vor ihrer Grashütte. Und er hört alle Schlagworte: „Europa ist der Kontinent von gestern, Afrika der Kontinent von morgen“ oder „Durch Regieren lernt man regieren. Wir machen Fehler, aber es sind unsere Fehler.“ Wo machen Politiker keine Fehler?

Wenn Afrikaner davon träumen, daß eine Zeit kommen wird, wo alles besser sein wird, wo man keine Steuern mehr zahlen wird, wo die Preise für Kleider, Fahrräder, Autos und Kühlschrank viel billiger werden und Weiße Diener der Schwarzen sein werden, so ist wenigstens das letzte hier und da. schon eingetroffen. In den Verwaltungsbüros stehen die Europäer geduldig beratend hinter den Afrikanern und servile Handlungsreisende bieten ihre Dienste an. Allerdings wollen diejenigen Weißen, die nun als Touristen wiederkommen, schon wieder bedient und verwöhnt werden, und die eigene Regierung sagt, das sei gut so ...

Wagenladungen von neuen Straßenschildern müssen als eine der ersten Amtshandlungen bestellt worden sein von den neuen Verwaltungen in Nairobi, Mombasa, Kampala, Daressalam, in ganz Afrika. Namen wie Avenue Delawere sind verschwunden. Avenua Kenyatta heißt einer der großzügigen Boulevards von Nairobi jetzt. Viele Straßen Uhuru und Harambee. Auch Uganda überlegt jetzt, ob die Bezeichnungen Victoria-, Albert-, Eduardsee, Queen-Elizabeth-Park, Murchisonfälle verschwinden sollen. Es ist ein Problem, denn den Touristen sind die Namen so geläufig.

Jomo Kenyatta, Staatspräsident von Kenia, ist ein Staatsmann von Format. Selbst die ältesten Kolonialisten, die, mit englischen Pässen zwar, im Land blieben, sprechen voll Achtung von ihm. Er kennt, obwohl er viele Jahre zu schwerem Kerker und Strafarbeit verurteilt war, keinen Haß und keine Rache. Er predigt Toleranz und sichert auch der europäischen Minderheit immer wieder Heimatrecht zu. Tatsache ist, daß im letzten Jahr wieder mehr Weiße in Kenia einwanderten als das Land verließen.