Je länger die Kreditrestriktionen bestehen bleiben, desto schwieriger wird es für die Unternehmer, ihre Produktionsanlagen dem technischen Fortschritt anzupassen und dem anhaltenden Kostenanstieg wenigstens teilweise dadurch zu entgehen, daß sie Arbeit durch Kapital, durch neue Produktionsanlagen ersetzen. Das ist nicht nur betriebswirtschaftlich unerfreulich, sondern kann auch für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung nachteilig sein.

Es ist darum verständlich, daß der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) in seinem neuen Konjunkturbericht die Frage aufwirft, ob die im Interesse der Stabilisierung gewollte Abkühlung der Konjunktur nicht schon erreicht sei. Nun, auch Bundesbankpräsident Blessing hat zu verstehen gegeben, daß er die Kreditschraube gern lockern würde, zunächst wahrscheinlich durch eine Senkung der Mindestreserven. Aus gutem Grund ist er dazu aber erst nach Annahme des Stabilisierungsgesetzes durch das Parlament bereit.

Würde schon jetzt die Kreditaufnahme erleichtert werden, könnten die dann verfügbaren Finanzierungsmittel nur allzuleicht von den kreditgierigen öffentlichen Händen vereinnahmt werden, die sich als weitgehend zinsunempfindlich erwiesen haben. Erst nach Annahme des Gesetzes sind die Voraussetzungen dafür geschaffen, den Zugang zum Kapitalmarkt allgemein und damit auch für die private Wirtschaft zu erleichtern. Wenn etwas das Inkraftreten des Gesetzes noch als dringlich herausstellen konnte, dann ist es dieser jüngste Konjunkturbericht aus der deutschen Industrie. ks