In Syrien herrschte vorige Woche wieder einmal ein großes Durcheinander. Der radikale Flügel der Baath-Partei, der im Februar nach einem blutigen Putsch die Macht an sich gerissen hatte, ging zum offenen Kampf gegen den gemäßigten Flügel der Partei über.

Gleichzeitig versuchte der junge Oberst Selim Hatoum, mit 2000 Soldaten auf Damaskus zu marschieren. Der Oberst, der den Putsch im Februar angeführt hatte, war enttäuscht, weil er nicht befördert worden war und jetzt zu einem Schulungskursus nach Kuba abgeschoben werden sollte. Auch behagte ihm nicht die Annäherung Syriens an die Sowjetunion.

Offensichtlich hatte er sich der Unterstützung syrischer Emigranten in Jordanien, Saudi-Arabien und im Libanon versichert. Zunächst schien er wieder Glück zu haben; seine Soldaten bemächtigten sich des Staatspräsidenten Dr. Nureddin Atassi und des Generals Salah Jedid, der als starker Mann des Regimes angesehen wird. Aber loyale Truppen umzingelten die Rebellen und nahmen Hatoum gefangen.

Der Vorsitzende des syrischen Gewerkschaftsbundes, Khalid Dschundi, bereicherte die Szene um eine neue Errungenschaft: Er stellte „Rote Garden“ zusammen, Einheiten bewaffneter Arbeiter, die auf eigene Faust verdächtige Bürger verhafteten und „reaktionäre“ Manager davonjagten; Die „Roten Garden“ wollen, nach Pekinger Vorbild, ihre Säuberung auf alle Amtsstuben ausweiten. Moskau kann an solchen Veränderungen wenig Vergnügen haben, zumal ein neuer Putsch innerhalb der nächster Wochen nicht unwahrscheinlich ist. Un so erfreulicher war für den Kreml die jüngste Entwicklung in Ägypten: Präsident Nasser ernannte den Lenin-Preisträger und früherer Minister für den Assuan Damm, Sidky Soliman, zum neuer Ministerpräsidenten. In der Finanz- und Wirtschaftspolitik wird künftig der Kurs mehr nach links gehen.