Es scheint leichter zu sein, den Atlantik zu überqueren als den Rhein zu überwinden. Jedenfalls haben Meldungen über eine Zusammenarbeit zwischen deutschen und französischen Unternehmen immer noch Seltenheitswert. Verglichen mit den zahlreichen Bindungen zwischen deutschen und amerikanischen Firmen, fallen sie kaum ins Gewicht. Das gilt für gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsvorhaben ebenso wie für kapitalmäßige Verflechtungen.

Dabei ist Frankreich längst unser wichtigster Handelspartner geworden. Als Exportmarkt steht es eindeutig an der Spitze und als Lieferant gewerblicher und landwirtschaftlicher Produkte folgt es hinter den USA an zweiter Stelle. Seit Gründung der EWG hat sich der gegenseitige Güteraustausch sprunghaft erweitert.

Die Industrie beider Länder ist leider nicht im gleichen Tempo zusammengewachsen. Die Zusammenarbeit auf technisch-wissenschaftlichem Gebiet läßt sehr zu wünschen übrig. Der Kapitalverkehr ist unterentwickelt. Acht Milliarden Dollar hat die französische Wirtschaft im Ausland investiert, aber nur 200 Millionen davon in der Bundesrepublik. Die deutschen Direktinvestitionen in Frankreich liegen sogar noch leicht unter diesem Betrag.

Dabei gäbe es Gründe genug, um in der Luftfahrtindustrie, der Elektronik, der Chemie und anderen forschungsintensiven Branchen zusammenzuarbeiten. Während man in der Bundesrepublik und vernehmlicher noch in Frankreich die überlegene Kapitalkraft der US-Firmen beklagt, versäumt man es, das Nächstliegende zu tun, nämlich die eigenen Kräfte zusammenzufassen. Weder beim Bau moderner Großflugzeuge, noch bei der Entwicklung von Großrechenanlagen ist es bisher zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit gekommen, obwohl die europäischen Unternehmen sich gerade hier nur schwer gegen die amerikanische Konkurrenz behaupten können.

Hier haben aber nicht nur die einzelnen Unternehmen bisher zu wenig Initiative gezeigt. Auch die Regierungen haben kaum etwas getan, um die Kooperation zu erleichtern. Die Angleichung der rechtlichen und steuerlichen Bestimmungen kommt nirgendwo so recht voran. Immer noch ist eine echte Fusion zwischen EWG-Unternehmen nicht möglich.

Daß es trotzdem Wege gibt, zum beiderseitigen Nutzen zusammenzuarbeiten, beweist die jetzt bekanntgegebene Vereinbarung zwischen den Grundig-Werken und dem französischen Elektronik-Konzern CSF, der Compagnie Generale de Telegraphie sans Fil. Beide Unternehmen streben eine technische Zusammenarbeit bei elektronischen Konsumgütern an, vor allem bei Farbfernsehapparaten, Radios und Tonbandgeräten.

Vielleicht öffnen solche Beispiele auch anderen Unternehmen endlich den Blick dafür, welche Möglichkeiten die Zusammenarbeit im Rahmen der EWG ihnen bieten kann. Es ist nicht einzusehen, warum die Amerikaner allein die Chancen des Gemeinsamen Marktes nutzen sollen. Michael Jungblut