Nehmen Ungeduld und Aggression unter uns zu?

Von Thomas Regau

Unter den kaum mehr zählbaren Mitteilungen über Kindesmißhandlungen durch die eigenen Eltern nimmt eine wissenschaftliche Abhandlung der Frau Professor Elisabeth Trube-Becker (aus dem Institut für gerichtliche Medizin in Düsseldorf) eine besondere Stellung ein; sie führt uns nicht nur in Farbaufnahmen die tödlichen Verletzungen vor Augen, die Eltern ihren Kindern beigebracht haben, sondern sie versucht auch, die Täterpersönlichkeiten zu typisieren. Einen einheitlichen Typus freilich gibt es nicht. Die Wissenschaftlerin nennt vor allem drei Typen:

  • den Haltlosen, der, durch eigene Faulheit in Not geraten, die Kinder für das Elend der Familie verantwortlich macht;
  • den herrschsüchtigen Tyrannen, der keinen Widerstand duldet;
  • den Willensschwachen, der „hemmungslos seinen Trieben folgt“.

Daneben existieren allerlei Spielarten von psychopathischen Typen beiderlei Geschlechts, deren Kennzeichnung aber bislang in der Deskription steckenbleibt. Tiefenpsychologische Aspekte in der Diskussion sind rar.

Gewiß wird besonders das unerwünschte Kind oft gequält und mißhandelt, das Kind, das die Eltern zur Ehe zwang, das seine Mutter bei der Geburt für dauernd schädigte oder das Stiefkind aus anderer Ehe. Dennoch haben Untersuchungen der letzten Jahre ergeben, daß Mißhandlungen an ehelichen Kindern weitaus häufiger vorkommen als an unehelichen.

Erschütternd die Zahlen: Eine Umfrage an 71 Kliniken in den USA ermittelte 302 mißhandelte, behandlungsbedürftige Kinder in einem Jahr. 33 Kinder waren verstorben, 85 hatten bleibende Hirnschäden erlitten. In der Bundesrepublik wurden in den Jahren 1950 bis 1960 wegen Kindesmißhandlung 2175 Täter mit Geldstrafen, Gefängnis oder Zuchthaus bestraft.