Für Immanuel Kant war sie „ein Vertrag zweier Personen verschiedenen Geschlechts zum lebenswierigen wechselseitigen Besitz ihrer Geschlechtseigenschaften“. Für den Apostel Paulus war sie eine sittenpolizeiliche Schutzmaßnahme: „Um der Hurerei willen habe ein jeglicher sein eigen Weib.“ Für einen französischen Grafen der vornapoleonischen Ära war sie bares Geld: Der Brautvater zahlte ihm (laut Madame de Sévigné) am Stichtag mindestens 500 000 Francs. Für einen Mann von heute aber ist sie ein Verlustgeschäft: Wer heiratet, zahlt zu.

Die Ehe, nach Ansicht des amerikanischen Schriftstellers und Psychologen Ernest Havemann, einst „die einzige wirtschaftlich sinnvolle Lebensform“, lohnt sich nicht mehr. Jedenfalls nicht für den Mann.

Was weder Staat noch Kirche wahrhaben wollen und auch die wenigsten Heiratsbesessenen in aller Ausführlichkeit wissen, haben menschen-, genauer gesagt: männerfreundliche Soziologen statistisch nachgewiesen. Die französischen Wissenschaftler Albert und Rottier beispielsweise errechneten einen „Bedürfnisindex“. Ausgehend von der Fixzahl 100, die ein Lediger im Monat braucht, kommt danach ein Ehepaar ohne Kind auf 180, mit einem Kind auf 225, mit zwei Kindern auf 260 und mit vier Kindern auf 335.

„Ein Mann mag seine Kinder lieben“, vermutete denn auch die US-Zeitschrift „Life“ angesichts dieser in Amerika nicht minder gültigen Mißverhältnisse, „aber wenn er drei oder vier von ihnen in einem unbezahlten, zu engen Eigenheim vor sich sieht, dann kann er sich nur vor den Kopf schlagen, wenn er bedenkt, was für ein Wahnsinn sie heute vom finanziellen Standpunkt aus sind.“

Ein Wahnsinn sind sie auch für den durchschnittlichen Bundesbürger. Daß Kinder weder im ganzen noch im Dritteldutzend billiger sind, errechnete selbst Bonns kinderfrohes und also keineswegs dem Lebensstandard angemessen kalkulierendes Familienministerium. Zähneknirschend mußten die Ermittler eingestehen, daß im Vergleich zu einem kinderlosen Ehepaar der Wert des „Individualeinkommens eines Ernährers“ mit wachsendem Nachwuchs beträchtlich schrumpft: bei einem Kind um etwa ein Drittel, bei zwei Kindern um fast die Hälfte, bei vier Kindern um nahezu zwei Drittel.

Für einen Junggesellen sieht die Bilanz seiner Zukunftsaussichten, falls er diese Zukunft nicht länger allein bewältigen will, noch mißlicher aus. Ein Mann auf Freiersfüßen muß sich damit abfinden, seinen Lebensstandard (trotz der Steuerklasse III) um mehr als ein Drittel zu reduzieren, sofern seine Frau nicht mitverdient.

Selbst wenn er zu jenen Spitzenverdienern zählt, die – wie freilich nur jeder hundertfünfundzwanzigste männliche Angestellte im Bundesgebiet – die monatliche Einkommenshöhe von 2000 Mark erreicht, muß er die Ausgaben für sich selber nach dem Trauringwechsel drastisch senken.