Die viel umstrittenen „Onkelehen“ stellen die Behörden immer wieder vor schwierige Fragen. Das ist besonders dann der Fall, wenn eine Onkelehe sittlich begründet ist und sich als vorteilhaft für die Kinder erweist. Einen solchen Fall hat der Bundesfinanzhof (BFH) in einem Urteil vom 12. Juli 1963 (BStBl. III S. 437) entschieden und die finanzielle Sorge des Onkel-Ehemanns für die Kinder der Frau als außergewöhnliche Belastung anerkannt. In diesem Fall war es dem Mann nicht möglich, die Frau zu heiraten, mit der er in einer durchaus korrekten Lebensgemeinschaft lebte. Wie hier können sich auch sonst aus dem höchstpersönlichen Lebensbereich der Steuerpflichtigen zwangsläufig ungewöhnliche Lebenslagen ergeben. Wenn solche tatsächlich zwangsläufigen Gründe vorliegen, ist es den Finanzbehörden und Finanzgerichten nicht erlaubt, diese zum höchstpersönlichen Lebensbereich gehörenden Entschlüsse des Steuerpflichtigen daraufhin zu prüfen, ob Maßnahmen oder Verhaltensweisen vernünftig und billigenswert sind.

Der BFH betont ausdrücklich, es komme lediglich darauf an, ob nach Lage der Verhältnisse ... ein Steuerpflichtiger sich den Ausgaben, für die er eine Steuermäßigung wegen außergewöhnlicher Belastung begehrt, nicht entziehen kann. Hiermit ist es allerdings nur schwer zu vereinbaren, wenn der BFH weiter sagt, daß eine sittliche Verpflichtung zum Unterhalt grundsätzlich nur bei verwandtschaftlichen Beziehungen besteht. Danach wäre es sittlich nicht wertvoll, fremde Kinder, Vollwaisen oder solche aus zerrütteten Elternhäusern zu unterstützen. Die Entscheidung des BFH gilt auch nicht für solche Lebensgemeinschaften, bei denen die Kinder aus einer früheren Ehe der Frau stammen. Vielen Müttern bleibt eine neue Ehe aus finanziellen Erwägungen versagt, da sie ihre Renten durch eine Wiederheirat verlieren würden. Oft verdienen die neuen Lebensgefährten nicht ausreichend, im eine größere Familie unterhalten zu können, so daß Mann und Frau auf die Einkünfte aus der Witwenrente angewiesen sind. Es ist daher bedauerlich, daß der Bundesfinanzhof auch in einem neuen Urteil (VI 2/65 in EFG vom 20. Mai 1966 S. 181) wieder feststellt, daß die Unterhaltsaufwendungen für die Kinder einer anderen Frau, die der Steuerpflichtige nicht geheiratet hat, keine außergewöhnliche Belastung sein können, weil keine sittliche Verpflichtung zum Unterhalt für die fremden Kinder gegeben sei.