Von Hermann Funke

Seit der Rat der Stadt Bamberg am 18. Juli mit 24 gegen 14 Stimmen beschlossen hat, die "Untere Brücke" über die Regnitz am alten Rathaus nach einem Entwurf des Münchner Architekten Buddeberg als schlichten Betonsteg so ganz ohne Bögen wiederaufzubauen, hagelt es Proteste.

Die neue Brücke soll die jetzige, 1913 aus Stahlbeton gebaute, "Untere Brücke" ersetzen, deren mittlerer Bogen 1945 gesprengt worden ist und die seitdem nur notdürftig instandgesetzt wurde.

Der vom Stadtrat zur Ausführung bestimmte Brückenentwurf ist aus einem Wettbewerb hervorgegangen, zu dem die Stadt zehn Baufirmen eingeladen hatte. Jede Firma mußte mit einem – wie es so schön heißt – "anerkannten" Architekten zusammenarbeiten. Die Entwürfe wurden mit einer überschläglichen statischen Berechnung und einem verbindlichen Kostenangebot anonym eingereicht.

Ein Gutachtergremium von fünf Fachleuten beurteilte die Entwürfe und setzte die Arbeit der Firma Brandt mit Architekt Buddeberg und Statiker Büchting an die erste Stelle. Die einzige Stimme dagegen stammte von Oberkonservator Fredrich vom Landesamt für Denkmalpflege.

Die "Untere Brücke" gehört zu einer einmaligen und außergewöhnlich schönen städtebaulichen Anlage im Herzen Bambergs. Das alte Bamberger Rathaus liegt wie ein Schiff im Wasser der Regnitz und wird an seinen Schmalseiten von zwei Brücken eingefaßt. Flußabwärts, unterhalb der "Unteren Brücke" liegt der alte Hafen.

Die schönste "Untere Brücke", die Bamberg je hatte, wurde 1739 nach einem Entwurf von Balthasar Neumann gebaut und hielt nur fünfundvierzig Jahre. Am 27. Februar 1784 wurde sie durch ein Eistreiben vernichtet.