Anatomie des Machtkampfs in Peking

Von Hans W. Vahlefeld

Hongkong, im September

Mao Tse-tung wäre beinahe gestürzt worden – und die Gefahr für ihn ist wahrscheinlich noch immer nicht vorüber. Dieser Eindruck drängt sich jedem auf, der die Fülle der in Hongkong einlaufenden Meldungen aus Festlandchina analysiert. Es scheint, daß der 75jährige kaltgestellt werden sollte – ja, in den letzten vier Jahren schon ziemlich kaltgestellt war. Verteidigungsminister Marschall Lin Piao scheint ihn in der Stunde der höchsten Not gerettet zu haben.

Die Pekinger Veröffentlichungen lassen drei Phasen eines erbitterten Machtkampfes erkennen, der auch heute noch anzudauern scheint:

1. Die Dogmatiker führten eine kulturelle Offensive gegen unerwünschte Strömungen in Kultur, Kunst, Literatur und Erziehung. Die „Pekinger Volkszeitung“ beteiligte sich zunächst nicht an der Kampagne. Als Zentrum der „revisionistischen“ Geisteshaltung entpuppte sich das Stadtkomitee von Peking.

2. Mao und seine Anhänger entschlossen sich zu einer Säuberung. Die Entwicklung spitzte sich auf die dramatische Frage zu; Für oder gegen Mao?