Der Fall des CSU-Bundestagsabgeordneten Friedrich Zimmermann weitet sich zu einer CSU-Affäre aus. Das wird natürlich nicht offen zugegeben. Aber selbst jene CSU-Politiker, die die Grenze zwischen Abgeordnetenmandat und Geschäft nicht allzu scharf ziehen, verurteilen Zimmermanns Verhalten, weil er als Vorsitzender des Verteidigungsausschusses in Grundstücks- und Baugeschäfte verstrickt war. Sie befürchten, daß diese Affäre noch eine Rolle im Landtagswahlkampf spielen und gegen die CSU ausgeschlachtet wird.

Zimmermann ist nicht nur Parlamentarier, er war zugleich Aufsichtsratvorsitzender einer Baugesellschaft und hat Geschäfte mit dem Staat getätigt. Er nimmt für sich in Anspruch, daß er sich korrekt verhalten habe. Die Meinungen darüber sind allerdings geteilt. Der Abgeordnete kommt aus der Jungen Union, er gehörte zu dem Kreis junger Leute, die bei dem einflußreichen damaligen Justizminister Josef Müller („Ochsensepp“) angewandte Politik lernten. Als Müllers persönlicher Referent und als Staatsanwalt erwarb er sich fundierte Kenntnisse des Justizapparates. Als stellvertretender Bevollmächtigter Bayerns beim Bund lernte er später die Bonner politische Bühne kennen, als Hauptgeschäftsführer (später Generalsekretär) der CSU baute er einen Parteiapparat auf, der ihn zum bestinformierten Funktionär seiner Partei werden ließ.

Aus dieser Zeit datiert das enge Verhältnis zwischen Zimmermann und Strauß. Ohne Strauß wäre er nicht Generalsekretär geworden, und auch Strauß’ Karriere wäre ohne Zimmermann vielleicht anders verlaufen. Während sich Strauß stets exponierte, blieb Zimmermann im Hintergrund. Als der Fall Barth im Verteidigungsausschuß verhandelt wurde, war es der Abgeordnete Zimmermann, der den Antrag stellte, man solle Strauß „völlig korrektes“ Verhalten bescheinigen. Als Zimmermann wegen Meineids angeklagt war, tauschte Strauß mit dem bayerischen Staatssekretär im Justizministerium Gedanken aus. Den Mitgliedern des Ringes Christlich Demokratischer Studenten, die nach der „Spiegel“-Affäre gegen Strauß rebellierten, sagte Zimmermann, Strauß habe „zum Wohle des deutschen Volkes gelogen“. Seine Schützenhilfe für Strauß in der Fibag-Affäre rechtfertigte er mit dem Satz: „Mal muß man sich auch die Hände schmutzig machen.“

Als die CSU-Landesgruppe Zimmermann für das Amt des Bundestagsvizepräsidenten nominierte, zeigte sich, daß er zwar umstritten, aber doch unentbehrlich war. Das Abstimmungsergebnis – 19 zu 17 – machte aber auch deutlich, daß viele Abgeordnete in Zimmermann die Inkarnation eines politischen Stils sehen, der den politischen Anspruch seiner Partei unglaubwürdig macht. Die Abneigung gegen Zimmermann, gegen sein politisches Management und seine personellen und finanziellen Arrangements hinter den Kulissen, führte dazu, daß seine eigenen Parteifreunde das Hintergrundmaterial für die Enthüllungen über Zimmermanns Geschäfte lieferten. Daß die „Passauer Neue Presse“ die Bau-Affäre in Fortsetzungen veröffentlichte, hat die CSU erschrocken, denn dieses einflußreiche Blatt in Niederbayern wendet sich immer mehr von der CSU ab. Es hat den Anschein, als wolle der Herausgeber, der einstige Fibag-Aktionär Kapfinger, Affären aufrollen, die der CSU peinlich sind.

In Bonn und München haben sich jetzt einige CSU-Abgeordnete zusammengefunden, die personelle Veränderungen in der Partei herbeiführen möchten, um der Vetterleswirtschaft in der CSU ein Ende zu bereiten. Thilo v. Uslar