Saarbrücken

Während Ford-Generaldirektor Robert G. Layton am vergangenen Freitag in Saarlouis den Grundstein für ein neues Automobilwerk (Tagesproduktion 1969: 300 Wagen) legte, werden saarländische Land- und Kommunalbedienstete langsam wieder an die Wunder der Muskelkraft gewöhnt.

In Saarbrücken, wo die Löcher in der Stadtkasse kaum noch zu stopfen sind, hat man die alten, vierrädrigen Handwagen wiederentdeckt, um wenigstens die Löcher in den hauptstädtischen Straßen flicken zu können. Die Möglichkeiten dieser Vehikel mit Nachkriegsappeal kommen der Finanzlage des städtischen Tiefbauamtes in idealer Weise entgegen: Straßenbaumaterial kann nur noch in so geringem Maße angeschafft werden, daß der Transport durch Lastwagen – der ohnehin nicht mehr bezahlt werden kann – reinster Luxus wäre. So werden denn die drei öffentlichen Handkarren – mit Schaufeln, Stampfer und etwas Material beladen – von jeweils zwei Arbeitern des Amtes zum Einsatzort gezogen. Mit An-, Ab- und Nachschubfahrten geht dann oft gut die Hälfte der Dienstzeit verloren.

Zudem befinden sich diese Handkarren-Chauffeure in bester Gesellschaft. Auch die saarländischen Polizisten gehen nämlich wieder mehr zu Fuß – ebenfalls aus finanzieller Not. Die zur Sicherung des laufenden Landeshaushaltes generell verfügte Sperre von 15 Prozent aller Etatmittel für Sachausgaben hat beim Innenministerium dazu geführt, daß für den Rest des Jahres das Benzin für die Polizei um rund ein Drittel gekürzt wurde.

In der Landeshauptstadt zum Beispiel rücken die Streifenwagen nicht mehr alle zwei, sondern nur noch alle drei Stunden aus, werden nicht mehr 3500, sondern nur noch 2000 Kilometer Streifenfahrten zurückgelegt.

Während bei der Internationalen Polizeiausstellung in Hannover die modernsten Methoden der Verbrechensbekämpfung gezeigt wurden, fürchtet man nun im Saarland, daß die heimischen Ganoven herrlichen Zeiten entgegengehen könnten – einfach weil es der Polizei an Benzin fehlt, ihnen nachzufahren.

Landespolizeipräsident Botz sieht diese Gefahr allerdings nicht: Allen Notrufen werde selbstverständlich auch weiterhin Folge geleistet werden können, auch die entferntesten Dörfer und Stadtteile werden in Zukunft nicht ohne die wachsamen Augen der Gesetzeshüter auskommen müssen. Die Polizei – meint er – bleibe, auch wenn sie die Streifenwagen zum Teil in der Garage lasse und sich verstärkt zu Fuß fortbewege, der Bürger verläßlicher Freund und Helfer.

Saarbrückens Polizeidirektor Kirstein vermutet hinter solcherlei Beteuerungen allerdings mehr den Wunsch, nicht durch Panikmeldungen auch noch Reklame in Unterweltskreisen zu machen. Kirstein macht aus seinen Sorgen kein Hehl: Es sei zu befürchten, daß sich die saarländischen Ganoven den Sparmaßnahmen der Polizei nicht anschließen. Axel Buchholz