Von Heinz Josef Herbort

Im Jahre 1957 – so das Ergebnis einer Umfrage –, gab der Amerikaner mehr Geld für Schallplatten aus als für Konzerte und Baseballspiele zusammen. Im Jahre 1961 überschritt der Wert der in der ganzen Welt verkauften Schallplatten die Ein-Milliarden-Dollar-Grenze. Dei berühmteste Plattenkatalog der Welt, „The Schwann Long Playing Record Catalog“, verzeichnet zur Zeit rund dreißigtausend Langspielplatten. Vorsichtige Leute schätzen, daß insgesamt täglich rund fünfhundert neue Titel herauskommen.

Oder: 1960 machte eine Platte mit Liszt-Klavierkonzerten einen bis dahin so gut wie unbekannten jungen ungarischen Pianisten berühmt – Tamàs Vàsàry. Schostakowitschs 10. Streichquartett, 1964 entstanden, wurde in der westlichen Welt erstaufgeführt auf einer Schallplatte (Weller-Quartett, Decca).

Oder auch: Am Beginn der neuen Spielzeit erwägen mehrere deutsche Städte, ihre seit Jahrzehnten bestehenden Symphonie-Orchester aufzulösen. Als Gründe werden genannt: die steigenden Subventionskosten, der Nachwuchsmangel – und die Konkurrenz der Schallplatte, die schuld sei am ständigen Absinken der Zuhörerzahlen.

Im Jahre 1966 ist es müßig, über die wirtschaftliche, die künstlerische und die soziologische Bedeutung der Schallplatte zu streiten.

Die Geschichte dieser knapp achtzig Jahre alten, gerillten Scheibe, die auch eine Geschichte patentrechtlicher Prozesse und finanzieller Transaktionen, des technischen Raffinements und der Künstlerintrigen ist, zu schreiben, müßte verdienstvoll sein. Versucht wurde es von

Curt Riess: „Knaurs Weltgeschichte der Schallplatte“; Verlag Droemer Knaur, München; 448 S., 150 Abb., 26,50 DM.