In allen Industrieländern sind die Gewerkschaften ein Machtfaktor. Während sie aber in den kommunistisch regierten Ländern völlig in den Staatsapparat eingegliedert sind und den Interessen der Partei dienen, sind sie im Westen unabhängige Organisationen, denen es freisteht, wie weit sie sich in das politische Leben einschalten wollen. Macht und Einfluß der einzelnen Arbeiterorganisationen sind von Land zu Land sehr unterschiedlich. Das ist einmal von der Zahl der Mitglieder abhängig, zum anderen aber auch von ihrer Organisation und ihrem Kontakt zu den politischen Parteien. Von der hohen Mitgliederzahl her sind die amerikanischen Gewerkschaften die mächtigste Organisation. Ihr Einfluß ist jedoch dadurch beschränkt, daß nur etwa jeder fünfte Arbeitnehmer einer Gewerkschaft angehört. Zudem sind sie in 189 Einzelgewerkschaften zersplittert. Daher sind die schwedischen Gewerkschaften, die zwar nur 1,5 Millionen Mitglieder haben, denen aber fast jeder zweite Arbeitnehmer des Landes angehört, wesentlich schlagkräftiger. Ihre enge Verbindung zur sozialdemokratischen Regierungspartei ist eine weitere Gewähr dafür, daß in Schweden Politik nicht ohne die Gewerkschaften gemacht wird. Die Durchsetzung ihrer Ziele wird auch durch die relativ geringe Zahl von 75 Einzelgewerkschaften erleichtert. In dieser Hinsicht wird Schweden allerdings von den deutschen Gewerkschaften noch weit in den Schatten gestellt. Mit nur 16 Industriegewerkschaften verfügen die deutschen Arbeitnehmer über die straffste Organisation in der westlichen Welt. Mit rund zwei Millionen Mitglieder ist die deutsche IG Metall die größte Einzelgewerkschaft überhaupt. Am anderen Ende der, Skala steht Japan mit 50 000 selbständigen Gewerkschaften, von denen viele nur in einem einzigen Betrieb vertreten sind. Das ist ein starkes Hemmnis. Schon in England mit seinen 600 Einzelgewerkschaften ist die Formulierung gemeinsamer Ziele und mehr noch ein gemeinsames wirtschafts-politisches Handeln aller Verbände nahezu unmöglich.