Von Uwe Nettelbeck

Hans Habe sieht in Hans Habe, das deutet sich in den zahlreichen Leserbriefen, die er mit der gleichen Emsigkeit produziert wie seine Bücher, unmißverständlich an, das letztverbliebene literarische Gewissen der deutschen Nation, den würdigen Nachfolger des großen Thomas. Er fühlt sich außerdem verfolgt, von der Gruppe 47 und ihren Handlangern vor allem, und es tröstet ihn nicht immer, daß er „zwanzig schlechten oder reservierten Kritiken über zweihundert hymnische“ entgegenhalten kann, „Besprechungen in der New York Herold Tribune, der Sun Times in Chicago, dem Examiner in San Francisco – nicht zu sprechen von den Blättern des King Feature Syndicates“, daß der Book-of-the-Month-Club eines seiner Bücher als ersten deutschsprachigen Roman zum Buch des Monats gewählt hat, daß er das Siegel der Anti-Defamation-League erhalten hat, daß er „von einen der angesehensten Verlage Amerikas für den Pulitzer-Preis vorgeschlagen wurde“ und daß er „in Amerika mehrere Male auf der Bestseller-Liste der mir wenig gewogenen Time stand, während die Amerikaner Uwe für einen Fußballer und Johnson für einen Präsidenten halten“.

Es wäre jedoch unfair, einem Schriftsteller nur entgegenzuhalten, was ihm so über sich selber einfährt; im vorliegenden Falle ist es auch nicht nötig, denn es gibt ein neues Buch von ihm –

Hans Habe: „Christoph und sein Vater“, Roman; Verlag Kurt Desch, München; 374 S., 19,80 DM

– und dieses Buch ist mit einem aufschlußreichen Waschzettel ausgestattet, mit jenem Dialog zwischen Habe und seinem Verleger, der in Ausschnitten auch als Anzeige zirkulierte und zum Beispiel mich dazu gebracht hat, das Buch zu lesen.

Verleger: „In diesem deutschen Gegenwartsroman haben Sie, Hans Habe, die Geschichte von Vater und Sohn Wendelin gestaltet. In dem berühmten Regisseur des Dritten Reiches und seinem Sohn, den Sie zwischen seinem zweiundzwanzigsten und neunundzwanzigsten Lebensjahr zeigen, werden viele Leser Schlüsselfiguren entdecken.“

Autor: „Wenn Sie meinen, daß ich durch Gestalten der Zeitgeschichte angeregt wurde, haben Sie nicht unrecht. In fast allen Romanen der Weltliteratur kann man ‚Schlüsselfiguren‘ entdecken...“