Rund ein Viertel aller Arbeitnehmer wird nach Meinung von Arbeitsmarktexperten in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren den Arbeitsplatz wechseln müssen. Man braucht nicht gleich an die Bergbaukrise zu denken, um an dieser Prognose manches plausibel zu finden. Die „Mobilität“ der kommenden Jahre wird weniger durch die Jagd nach der prallsten Lohntüte ausgelöst, als durch den Strukturwandel innerhalb der Industrie.

Das Parlament hat die Regierung schon lange zu einer Initiative aufgefordert. Da die Bundesregierung seit über drei Jahren damit im Verzug ist, hat nun eine Gruppe von SPD-Abgeordneten ein Arbeitsmarkt-Anpassungsgesetz vorgelegt. Damit wird der Versuch gemacht, neben der Lehrlingsausbildung auch die Fortbildungsmöglichkeiten des älteren Arbeitnehmers zu verbessern. Vor allem die Arbeitskräfte, die auf Grund von Strukturwandlungen freigesetzt werden, müssen rechtzeitig auf andere Berufe umgeschult werden.

Heute wird die berufliche Fortbildung durch den Bund aus vielen Töpfchen gefördert. Das meiste Geld wird für solche „Anpassungshilfen“ des Staates verplempert, die, wie die aus Steuermitteln bezahlten Feierschichten, nur eine Stillegung von Arbeitskraft bedeuten. Der Gedanke liegt also nahe, diese Mittel so einzusetzen, daß die freigesetzten Arbeitskräfte wieder produktiveingesetzt werden können. Der Arbeitsmarkt bleibt auf lange Sicht unser Engpaß Nummer eins. Jede sinnvoll eingesetzte Mark zahlt sich hier besonders gut aus. bf.