Von Heinz Josef Herbort

Knapp eine Woche nachdem sie sich in Darmstadt nach den „Internationalen Ferienkursen“ voneinander verabschiedet hatten, trafen sie sich alle in Stockholm wieder, Komponisten, Rundfunkredakteure, Kritiker und Funktionäre der Neuen Musik. Sieben Tage später schüttelten sie sich die Hand: „Spätestens in zwei Wochen sehen wir uns wieder, in Donaueschingen.“ Sie sehen sich immer wieder, sie sind immer unter sich...

In Stockholm war ein „Weltmusikfest der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik“ zu begehen, das vierzigste seiner Art.

Die 1922 in Salzburg gegründete „Internationale Gesellschaft für Neue Musik“ (IGNM) sieht – nach der jüngsten Ausgabe ihrer Statuten – als ihr einziges Ziel an, „die zeitgenössische Musik zu pflegen (cultiver), ohne die ästhetischen Tendenzen, die Nationalität, die Rasse, die Konfession oder die politischen Absichten der Komponisten zu beachten“.

1966 bestand diese siebentägige Pflege aus vier Orehesterkonzerten, drei Opernaufführungen, zwei Kammerkonzerten und einer Vorführung elektronischer Musik, siebenundvierzig Werke nsgesamt gab es von Komponisten aus 23 der 24 Mitgliedsländer. Die Funktionäre hatten zudem in zwei Generalversammlungen Zeit, die Anliegen der Neuen Musik zu verwalten.

Die Programmspielregeln für eine solche Schau sind ziemlich kompliziert. Wer ein Werk gern im einem IGNM-Fest aufgeführt hören möchte, schickt es an die Jury seiner nationalen Sektion. Die wählt aus allen Einsendungen sechs Kompositionen aus und gibt sie an eine fünfköpfige nternationale Jury weiter, die wiederum von allen Vorschlägen ein knappes Viertel ins endgültige Programm nimmt.

Es gibt Kann- und Muß- und Soll-Vorschriften, die beschränken und bevorzugen, es gibt Hinweise auf die nicht zu überschreitende Programmlänge (90 Minuten reine Spielzeit), die Hälfte der Komponisten muß unter 35 Jahren, kein Stück darf älter als fünf Jahre sein.