Bis in den Tod die Treue."

Fallen die ersten Beispiele noch unter das "vergebliche", frivol-eitle Ansprechen Gottes, so bedeuten die beiden letzten unverblümte Heuchelei. Und selbst wenn dieses gedankenlose Heucheln (man singt half mit) noch keine Lästerung sein sollte, obwohl sich zumindest die forsch-"mündigen" Liturgie-Fans bei ihrem fortschrittlichen Laienspiel Gedanken machen sollten – bestimmt lästern doch diejenigen Geistlichen, die wie Unteroffiziere Gesang ("Ein Lied, zwei, drei") für unentbehrlich in "echter" Gemeinschaftlichkeit halten und ihre Gemeinden veranlassen, solchen sprachlichen Schund und Ramsch von sich zu geben, so frohgemut zu singen, was sie in Prosa nicht um alles in der Welt zu sagen wagten.

Statt einzusehen, daß das Schweigen möglicherweise die genauere und demütigere Antwort unserer Zeit auf die Anrede Gottes sein könnte, deklarieren sie abgetragene Ware oder Ausschuß als liturgiefähig (obwohl es ihnen sicher seltsam vorkäme, wenn sie in Klingelbeutel und Opferstock nur ungültiges oder Inflationsgeld und zerbrochene Hosenknöpfe fänden).

"Singet dem Herrn ein neues Lied", heißt es mehrmals beim Psalmisten und bei Paulus: Singet dem Herrn kein altes Lied. Man werde sich darüber klar, daß die Antwort, das Preisen und das Denken nur dann eine Brücke zum Numinosen schlagen, wenn sie mit unserer Stimme, mit unserer Sprache, mit unserem Denken erfolgen. Die Sprache aber, wie wir sie lästerlich-gemütvoll im Kult zur frommen "Anwendung bringen", offenbart nur unsere mangelnde Bereitschaft oder unser Unvermögen, von Gott und zu Gott zu sprechen – zumindest in der Gemeinschaft.

Und sie zeigt, wie schwer es dem "Gläubigen" fällt, nicht zu lästern, während er sich frohgemut über die Lästerungen derjenigen aufregt, die wenigstens nicht so verlogen sind zu sagen, was sie nicht meinen. Wilhelm Höck