• „Gustav Seitz“ (Mannheim, Kunsthalle): Neue Arbeiten von Gustav Seitz, Skulpturen aus den Jahren 1960 bis 1965 und die zehn „Mykonos“-Reliefs von 1966, zeigt die Mannheimer Kunsthalle zum 60. Geburtstag des Bildhauers. Seitz stammt aus Mannheim. Stellt man (wie Jürgen Claus in seinem Artikel „Gesang vor Bildern“ in der vorigen Ausgabe der „Zeit“) die Frage nach den Künstlern, die sich die Unabhängigkeit von der Mode, dem Markt, der herrschenden Doktrin, der Aktualität, von der eigenen Herkunft und auch von der Tradition bewahrt haben, dann wäre Gustav Seitz zu nennen. Seine unbestrittene und schwer zu umreißende Sonderstellung resultiert nicht aus der Tatsache, daß er beharrlich am Gegenstand festhält, daß er „dem attraktiven artistischen Gehabe unserer Tage“ (Gustav Seitz) aus dem Wege geht. Das tun auch andere und geraten dabei in den Schmollwinkel, wo man resigniert oder um jeden Preis Opposition treibt; aber beides läimt die Produktivität.

Seitz besitzt glücklicherweise genügend Selbstvertrauen, um sich durch die Frage nicht im mindesten anfechten zu lassen, ob der Gegenstand, in seinem Fall das Thema der menschlichen Figur, so gründlich in allen potentiellen Phasen durchgespielt sei, daß dem Künstler nichts übrig bleibe, als ihn epigcnal zu behandeln oder aufzugeben. Und mit dieser Selbständigkeit und Selbstsicherheit hat er es zu beträchtlichen Erfolgen gebracht, er war als einer der wenigen figurativen Bildhauer 1959 und 1964 auf der documenta und wurde mit zahlreichen Kunstpreisen ausgezeichnet, im Westen und auch im Osten. Es besteht kein Grund zu verschweigen, daß er im Goethe-Jahr 1949 den Nationalpreis der DDR erhielt, es beweist vielmehr seine Unabhängigkeit auch gegenüber den Ideologien; er wurde 1947 von Hofer an die Westberliner Akademie und 1950 an die Ostberliner Akademie berufen und hat 1958 einen Ruf an die Hamburger Hochschule angenommen.

Seitz ist ein figurativer Bildhauer, aber kein Konservativer, der das „heile Menschenbild“ für die Gegenwart rettet. Wer ihm derartiges unterstellt, wird gerade durch die neuen Arbeiten, den „Geschlagenen Catcher“, die „Flensburger Venus“, den „Großen weiblichen Torso“ eines anderen belehrt. Hier werden, nach den Arbeiten seiner mittleren Zeit, in der sich eine nicht akademische, aber etwas behagliche, saturierte Glätte bekundete, harte, schroffe, aggressive Töne angeschlagen. Die gewölbten Formen bringen sich rücksichtslos bis zum Monströsen zur Geltung. Die Oberfläche wird rauh und rissig. Der Betrachter akzeptiert die entidealisierten Gestalten, die nichts mehr mit Maillol und nichts mit Marini zu tun haben, als seine Zeitgenossen.

Die Ausstellung dauert bis zum 16. Oktober. Für Ende Oktober plant der Hamburger Kunstverein eine umfassende Retrospektive, mit den frühen und mittleren Arbeiten sowie den berühmten Porträts von Brecht, dem Stückeschreiber, von den Brüdern Mann, Kokoschka und den anonymen Mädchenköpfen.

„Schweizerische Kunst – und Antiquitätenmesse“ (Bern, Kunstmuseum): Bern kam mit der 6. Kunst- und Antiquitätenmesse vom 25. September bis zum 4. Oktober mit den traditionellen Messen in Florenz, Delft und München durchaus konkurrieren. In diesem Jahr wird sich fast der gesamte Schweizer Kunsthandel mit über 50 Ausstellern beteiligen. Das Angebot reicht von der Antike bis zu Renoir und Juan Gris, es umfaßt neben Plastik und Malerei (vorzüglich spätmittelalterliche Skulpturen und Bilder) auch Münzen, Keramik, Schmuck, Tapisserien und Möbel des 18. Jahrhunderts.

Gottfried Sello

„Gruppe Geflecht“ (München, Galerie van de Loo): Wenn sich in München drei Maler öfter als einmal gesehen haben, so pflegt daraus eine neue „Gruppe“ zu entstehen. Ein entsprechendes Manifest ist bald entworfen, gedruckt und wird ebenso eifrig verteilt wie unbeachtet weggeworfen. Käme es auf das Manifest an, so würde man der neu entstandenen Gruppe „Geflecht“ wenig Beachtung schenken. Man tut es aber, weil die ausgestellten Sachen wirklich eine originelle Erfindung und amüsant sind.