Unser Kritiker sah:

SONNENUNTERGANG

Schauspiel von Isaak Babel

Schloßtheater in Celle

Dank der dramaturgischen Initiative des Celler Intendanten Hannes Razum ist in Deutschland ein russischer Autor nun auch als Stückeschreiber zu beurteilen, der in der Gefolgschaft Maxim Gorkijs vor allem als Erzähler bekennt wurde. Zwei Schauspiele sind von Isaak Bibel (1894–1941) erhalten geblieben: „Maria“ (in Saarbrücken vorgestellt, nachdem eine Aufführung in der Sowjetunion verboten worden wir) und der Erstling „Sonnenuntergang“ (1928 in mehreren russischen Städten aufgeführt).

Babel entstammte dem Judengetto von Odessa, wo „Sonnenuntergang“ spielt.

Trivial ist das Hauptmotiv der Handlung: Der mit seinen 62 Jahren noch vor Vitalität strotzende, großmächtige Fuhrunternehmer Mendel Krik will nicht alt werden. Als er zu einem jungen Weibe geht, entmachten die Söhne den Vater. Von Gerhart Hauptmanns „Vor Sonnenuntergang“ unterscheidet sich der usurpatorische Familien-Clan in Babels „Sonnenuntergang“ nur durch handgreiflichere Methoden zur Erreichung des gleichen Ziels.