Carl Hans Hermann: Deutsche Militärgeschichte. Eine Einführung. Bernard & Graefe Verlag, Frankfurt am Main. 626 Seiten, 39,80 DM.

Der Untertitel führt insofern in die Irre, als das Buch viel mehr ist als eine Einführung. Sicherlich, es erfüllt auch den Zweck, den der Verfasser mit „rasche Information“ des Staatsbürgers angibt, und wenn man will, kann man es als ein Beispiel dafür ansehen, wie eine populärwissenschaftliche Darstellung aussehen soll. Es ist in vielen Teilen aber ein Ergebnis selbständiger wissenschaftlicher Arbeit. Das gilt etwa für die auch heute noch wichtigen Ausführungen über das Versagen der Kriegsminister um 1900, die zum Teil aus Klassenhochmut das Heer zu klein hielten. Auch über das Verhältnis zwischen königlich-preußischem Heer und Sozialdemokratischer Partei oder über die Einsamkeit Moltkes – der keine „stilbildende Kraft“ besaß – wird Überzeugendes gesagt. Das Verhängnis, das mit dem Einbruch des Nationalsozialismus begann, wird ohne Beschönigung geschildert. Im ganzen: ein anregendes, ein willkommenes Buch. gri.